Reist nun doch nicht ins Westjordand zu ihrer Familie: die US-Kongressabgeordnete Raschida Tlaib. Israels Innenminister sagt dazu: „Ihr Hass auf Israel hat ihre Liebe zu ihrer Großmutter überwältigt.“

Reist nun doch nicht ins Westjordand zu ihrer Familie: die US-Kongressabgeordnete Raschida Tlaib. Israels Innenminister sagt dazu: „Ihr Hass auf Israel hat ihre Liebe zu ihrer Großmutter überwältigt.“

Trotz Erlaubnis reist Demokratin Tlaib nicht ins Westjordanland

Erst kämpft die US-Demokratin Tlaib intensiv dafür, ihre Großmutter im Westjordanland besuchen zu dürfen. Es könne das letzte Mal sein, dass sie sie sehe, erklärt sie dem israelischen Innenminister. Nachdem dieser ihr die Reise gestattet, macht sie einen Rückzieher.

JERUSALEM / RAMALLAH / WASHINGTON (inn) – Nach tagelangen öffentlichen Diskussionen um Einreisegenehmigungen erhielten die demokratischen US-Kongress-Abgeordneten Raschida Tlaib und Ilhan Omar Ende vergangener Woche von Israel erst eine Absage. Die beiden amerikanischen Politikerinnen unterstützen die Boykott-Bewegung BDS. Einen Tag später erhielt Tlaib dann doch die Erlaubnis, nach Israel reisen zu dürfen. Sie hatte angekündigt und sich dafür stark gemacht, ihre Großmutter im Westjordanland zu besuchen. Doch dann änderte Tlaib ihre Meinung, machte einen Rückzieher und sagte die Reise am Freitag ganz ab.

Sie habe entschieden, dass ein Besuch bei ihrer Großmutter „unter diesen repressiven Bedingungen allem widerspricht, an das ich glaube“. Sie kämpfe gegen Rassismus, Unterdrückung und Ungerechtigkeit, schrieb sie auf Twitter.

Dass sie zum Schweigen gebracht werde und sich wie eine Kriminelle behandeln lassen müsse, sei nicht das, was ihre betagte Großmutter für sie wolle. „Es würde einen Teil von mir zerstören.“ Zuvor hatte Tlaib in einem Schreiben an den israelischen Innenminister Arie Deri selbst erklärt, die Reise sei vielleicht die letzte Möglichkeit, ihre Vorfahrin zu besuchen. Sie notierte zudem: „Ich werde jegliche Beschränkungen respektieren und während meines Besuchs nicht für Boykotte Israels werben.“ Der Besuch sollte sich auf „humanitäre Angelegenheiten“ beschränken. Die Abgeordnete mit palästinensischen Wurzeln hatte beantragt, die 90-Jährige in Beit Ur al-Fauqa, 15 Kilometer nordwestlich von Jerusalem, zu besuchen.

„Hass auf Israel besiegt Liebe zur Großmutter“

Israels Regierung sieht in der Aktion ein politisches Manöver. Nach der Absage schrieb Innenminister Deri auf Twitter, er sei auf den Besuchswunsch aus humanitären Gründen und als eine Geste des guten Willens eingegangen. „Aber es war nur eine Provokation mit dem Ziel, den Staat Israel schlecht dastehen zu lassen. Ihr Hass auf Israel hat ihre Liebe zu ihrer Großmutter überwältigt.“

Ihren Freitagabend verbrachte die US-Politikerin in einem Detroiter Park mit einer Reihe von Juden. Die Gruppe „Jüdische Stimme für den Frieden“, die sich gegen eine „Besatzung“ ausspricht, feierte mit ihr einen Gottesdienst, berichtet die israelische Tageszeitung „Ha'aretz“. Die Gruppe hatten die Zeremonie und ein Abendessen organisiert, um sich mit Tlaib zu solidarisieren.

Reiseziel „Palästina“

Der ursprüngliche Plan von Tlaib und ihrer Kongress-Kollegin Omar war, für eine politische Reise nach Israel und in die palästinensischen Gebiete zu kommen. Dieser erteilte Israel jedoch eine Absage. Die Gründe für das politische Einreiseverbot legte Regierungschef Benjamin Netanjahu am Donnerstag dar: Die Reisestationen der Abgeordneten zeigten, dass es der einzige Zweck der Reise sei, Israel zu schaden. So seien keine Treffen mit Vertretern der Regierung oder der Opposition in der Knesset geplant. Zudem komme die Organisation Miftah für die Reisekosten auf. Deren Mitglieder hätten in der Vergangenheit Terrorismus gegen Israel unterstützt. Netanjahu merkte weiter an, dass als Reiseziel offiziell gar nicht „Israel“ angegeben wurde, sondern als „Palästina“. Der Premier betonte zudem, dass Israel erst vor wenigen Tagen eine Delegation amerikanischer Kongressabgeordneter empfangen habe. Diese hätten ihre parteiübergreifende Unterstützung für Israel demonstriert.

Immer wieder betont Tlaib ihre palästinensische Herkunft öffentlich. Sie äußerte sich in ihrer Dankesrede nach ihrer Wahl in den Kongress kritisch zum jüdischen Staat: Ihre Familie im Westjordanland habe sich so viele Jahre „entmenschlicht“ gefühlt. Umso stolzer, betonte Tlaib, sei sie nun auf ihren Sieg. Diesen feierte sie nicht mit einer amerikanischen, sondern mit einer palästinensischen Fahne.

Von: mab

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