Der österreichische Bundespräsident Van der Bellen sprach in Jerusalem von einer Mitschuld seines Landes an der Scho'ah und betonte das Existenzrecht Israels

Der österreichische Bundespräsident Van der Bellen sprach in Jerusalem von einer Mitschuld seines Landes an der Scho'ah und betonte das Existenzrecht Israels

Österreichs Bundespräsident Van der Bellen in Israel

In den israelisch-österreichischen Beziehungen hat es schwierige Phasen gegeben. Noch heute boykottiert Israel einige österreichische Minister. Bundespräsident Van der Bellen möchte bei seiner Staatsvisite im Heiligen Land die beiderseitige Verbundenheit „auf neue Stufen heben“.

JERUSALEM (inn) – Was Alexander Van der Bellen am Montag in Yad Vashem ausgesprochen hat, war lange keine Selbstverständlichkeit für österreichische Würdenträger: „Österreich ist mitverantwortlich für die Scho'ah“, sagte er und gestand: „Zu dieser Mitverantwortung hat sich Österreich erst spät, sehr spät bekannt. Das hat unser Verhältnis lange Zeit schwierig gemacht.“ Das Eis hatte der damalige österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky erst 1993 mit dem ersten Schuldgeständnis gebrochen. Damals war das ein Meilenstein.

Schon seit Sonntag ist Van der Bellen in Israel, um die in letzter Zeit guten Beziehungen beider Staaten zu pflegen. Zunächst hat er die Jerusalemer Altstadt besichtigt und besuchte die Grabeskirche, die Via Dolorosa und die Klagemauer. Beim Besuch im Österreichischen Pilgerhospiz sagte das Staatsoberhaupt laut der Tageszeitung „Der Kurier”: „Wir Österreicher sind mit dem Satz ‚Österreich, das ist die kleine Welt, in der die große ihre Probe hält' sehr vertraut. Jerusalem ist auch so eine Welt. Es wäre doch etwas Wunderbares, wenn es gerade hier in Jerusalem, dem Ort, der drei Weltreligionen heilig ist, gelänge, Frieden zu schaffen."

Existenzrecht Israels

Tags drauf begrüßte ihn Israels Staatspräsident Reuven Rivlin mit militärischen Ehren. Später zogen sie sich zu einem Vier-Augen-Gespräch zurück. Bei dem Treffen versuchte Van der Bellen, Zugeständnisse im Boykott gegen österreichische FPÖ-Minister zu erreichen. Israel verweist auf antisemitische Wurzeln der Partei. Jedoch gab sich Van der Bellen angesichts der anstehenden Wahlen in Israel wenig zuversichtlich. Nach der ersten Regierungsbildung mit FPÖ-Beteiligung in Österreich habe es auch drei Jahre gedauert, bis Israel wieder volle diplomatische Beziehungen mit Österreich aufnahm, gab Van der Bellen zu bedenken.

Bei einer Zeremonie in der Gedenkstätte Yad Vashem legte Van der Bellen einen Kranz nieder und entzündete die Ewige Flamme. Vor Journalisten in Jerusalem sprach er sich deutlich gegen Antisemitismus aus und betonte, Ziel seines Landes sei es, dass Juden überall unbehelligt leben können. „Das Existenzrecht Israels muss vollkommen unbestritten sein“, unterstrich er und mahnte: „Israel muss in Frieden leben können.“

Israel hofft auf mehr Verständnis

Für Dienstag war ein Arbeitsgespräch mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu angesetzt. Netanjahu sagte jedoch persönlich per Telefon ab, da er sich nicht gut fühle. Er werde versuchen, vor Van der Bellens Abreise am Donnerstag noch ein Treffen einzurichten.

Später am Dienstag steht ein Treffen mit dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, auf dem Programm. Van der Bellen wolle sich ein Bild vom Stand des Friedensprozesses machen, schreibt die Tageszeitung „Österreich“. Am Mausoleum vom ehemaligen Palästinenserführer Jasser Arafat wird er einen Kranz niederlegen. Der Bundespräsident unterstützt die Linie der Europäischen Union, die für eine Zwei-Staaten-Lösung eintritt.

Aus Israel erhofft man sich von dem Besuch des Bundespräsidenten vor allem ein besseres Verständnis für die „besondere und schwierige Lage Israels in der Region“, wird die israelische Botschafterin in Österreich Talja Lador-Frescher zitiert.

Von: tk

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