Eine Familie der „Falasch Mura“ bei der Brotzubereitung in Äthiopien

Eine Familie der „Falasch Mura“ bei der Brotzubereitung in Äthiopien

Israel lässt 1.000 Äthiopier einwandern

Der israelische Premier Netanjahu will weitere 1.000 Äthiopier mit jüdischen Wurzeln nach Israel bringen. Die Entscheidung ist nicht unumstritten, weil das Innenministerium sie nicht als jüdisch ansieht.

JERUSALEM / ADDIS ABEBA (inn) – Israel erlaubt rund 1.000 Äthiopiern des Stammes der „Falasch Mura“ die Einwanderung. Das hat der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu am Montag mitgeteilt. „Ich habe mich entschieden, ungefähr 1.000 Mitglieder der Gemeinschaft, deren Kinder bereits hier leben, nach Israel zu bringen“, sagte Netanjahu laut seinem Büro bei einem Ministertreffen.

Er habe Innenminister Arjeh Deri beauftragt, einen Entwurf dieser Regierungsentscheidung vorzulegen. „Mit hoher Wichtigkeit kümmern wir uns um diese kostbare Gemeinschaft, die Teil unseres Volkes und Teil unseres Staates ist“, sagte Netanjahu. Er sprach von „keiner einfachen Entscheidung“. In Israel ist wiederholt darüber diskutiert worden, inwiefern die Stammesmitglieder zum Judentum gehören.

Deswegen betonte Netanjahu auch, nur Stammesmitglieder nach Israel zu holen, die bereits ihre Familie im Land hätten. Die „Falasch Mura“ sind äthiopische Juden, deren Vorfahren im 19. Jahrhundert – in den meisten Fällen unter Zwang – zum Christentum konvertiert waren. In Äthiopien leben heute noch geschätzt 8.000 dieser Stammesmitglieder.

Äthiopische Gemeinde in Israel enttäuscht

Die Sprecherin der äthiopischen Gemeinde in Israel, Alisa Bodner, bezeichnete laut der Onlinezeitung „Times of Israel“ die Entscheidung als „unglaubliche Enttäuschung“. Sie forderte Netanjahu auf, auch die Einreise der restlichen 8.000 Menschen zu ermöglichen. Das israelische Innenministerium sieht die „Falasch Mura“ nicht als Juden an. Deswegen gilt für sie auch nicht das Recht der Rückkehr, das jedem Juden auf dieser Welt die Einwanderung nach Israel erlaubt. Stattdessen werden die Äthiopier eine spezielle Erlaubnis von der Regierung benötigen.

Einige der Stammesmitglieder warten bereits seit 20 Jahren darauf, nach Israel einwandern zu dürfen. Ein Kritikpunkt der äthiopischen Vertreter lautet, dass die bisherige Einwanderung schlecht durchgeführt werde, weil dabei Familien auseinander gerissen wurden. 80 Prozent der äthiopischen Juden, die noch in Äthiopien leben, haben Angehörige ersten Grades in Israel.

Internationale Christliche Botschaft half

Im November 2015 hatte die israelische Regierung den Plan gefasst, die verbleibenden Äthiopier bis 2020 nach Israel zu holen. Damals fehlten aber die finanziellen Mittel im Staatsbudget, um die Familienzusammenführungen umzusetzen. Vergangenes Jahr startete dann das Finanzministerium den ersten Schritt, indem es einen Finanzierung der Einreise für 1.300 Äthiopier auflegte. Die Flüge der Stammesmitglieder nach Israel wurden von der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem mitfinanziert. Die besitzt ein Programm für die Unterstützung von jüdischer Immigration.

Der Premierminister reagierte am Montag auch auf Berichte, die Diskriminierungen in der südlich gelegenen Stadt Kiriat Gat dokumentierten: „Gestern hörte ich von rassistischen Äußerungen gegenüber äthiopischen Juden in Kiriat Gat. Wir sind nicht bereit, diesen oder irgendeinen Rassismus in Israel zu akzeptieren.“ In Israel leben aktuell rund 135.000 äthiopische Juden. 22.000 wurden per Luftbrücke in der Operation Moses 1984 und in der Operation Salomo 1991 nach Israel ausgeflogen. Ihre Integration gestaltet sich als schwierig. Es kam wiederholt zu rassistischen Übergriffen.

Von: mm

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