Bei Kalkilja: Ein Großteil der israelischen Sperranlage besteht nicht aus Mauer, sondern Sicherheitszaun

Bei Kalkilja: Ein Großteil der israelischen Sperranlage besteht nicht aus Mauer, sondern Sicherheitszaun

Konrad-Adenauer-Stiftung entschuldigt sich für Mauervergleich

Die CDU nahe Konrad-Adenauer-Stiftung will anlässlich des Jahrestages an den Berliner Mauerbau erinnern. Ihre Bildcollage, in der auch die israelische Sperranlage zum Westjordanland vorkommt, sorgt aber für Empörung.

BERLIN / JERUSALEM (inn) – Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat sich für einen Vergleich von der Berliner Mauer zur israelischen Sperranlage zum Westjordanland entschuldigt. Die CDU-nahe Stiftung hatte zur Erinnerung an die Berliner Mauer eine Collage aus anderen Mauern verschiedener Länder gepostet. Der Vergleich mit der israelischen Sperranlage rief Kritik hervor.

Am Montag schrieb die Konrad-Adenauer-Stiftung auf Twitter: „Zu viele Mauern und Sperranlagen weltweit!“ Dazu setzte sie die Hashtags #berlinermauer und #1961. Die dazu gepostete Collage zeigte verschiedene Mauern auf der Welt: zwischen den USA und Mexiko, Saudi-Arabien und dem Jemen, Marokko und einer spanischen Enklave, Indien und Bangladesch sowie Marokko und der Westsahara. Unter den Bildern befindet sich auch die Sperranlage von Israel zum Westjordanland. Auf Facebook schrieb die Stiftung: „Seit dem Mauerfall 1989 sind etwa 50 neue Mauern und Sperranlagen weltweit entstanden.“

Kritik in Deutschland und Israel

Der Vergleich mit der Mauer, welche die ehemalige DDR baute, um ihre Bürger von der Landesflucht abzuhalten, stieß sowohl in Deutschland als auch in Israel auf Widerstand. Der Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Efraim Zuroff, sagte der Tageszeitung „Jerusalem Post“: „Die Stiftung ist daran gescheitert, zwischen gerechtfertigten und nicht gerechtfertigten Mauern zu unterscheiden.“ Die israelische Mauer sei gebaut worden, um Menschenleben zu retten und Terrorismus zu stoppen. Sie habe viele Leben bewahrt.

Der deutsche Journalist Robin Alexander von der Tageszeitung „Die Welt“ reagierte auf Twitter: „Wie könnte man als CDU-nahe Stiftung die aktuelle Debatte um Koalitionen mit der Linken inhaltlich unterfüttern? Man veröffentlicht zum Jahrestag des Mauerbaus daneben Fotos der Anlagen, die Israel schützen sollen. Sorry für den Zynismus, aber es ist zu krass, liebe Konrad-Adenauer-Stiftung.“ Der Grünen-Politiker Volker Beck schrieb: „Man kann doch nicht eine Schutzanlage vor eindringenden Terroristen mit einer Mauer, die die eigenen Bürger einsperrt, vergleichen, bloß weil man vom Baumarkt dafür die gleichen Materialien braucht.“

Stiftung erklärt sich

Nach der Kritik in den Sozialen Medien erklärte die Stiftung auf Facebook: „Wir haben uns entschlossen, die ursprünglich hier gezeigte Bildcollage zu entfernen, um weiteren Missverständnissen vorzubeugen.“ Gleichzeitig betonte sie ihren täglichen Auftrag, „konsequent gegen Geschichtsvergessenheit“ vorzugehen und das „Unrecht der SED-Diktatur stets klar“ zu benennen. Auf Twitter schrieb die Stiftung: „Um es noch einmal ganz klar zu formulieren: Der Mauerbau steht für sich und ist mit keiner anderen Grenzanlage weltweit zu vergleichen!“

Gegenüber der „Jerusalem Post“ äußerte sich der Leiter der Stiftung in Jerusalem, Alexander Brakel. Er sagte, der Facebook-Post stamme nicht von seinem Büro in Israel. „Es gab keine Absicht, Israels Sicherheitszaun mit der Berliner Mauer zu vergleichen.“ Er habe sich für den falschen Eindruck entschuldigt, der entstanden war.

Laut Angaben des israelischen Außenministeriums sind die palästinensischen Terrorattacken in Israel durch die Sperranlage signifikant zurückgegangen. Zum Beispiel seien die Angriffe von 2002 auf 2003 um 30 Prozent zurückgegangen. Auch habe es im selben Zeitraum einen Rückgang von 50 Prozent gegeben, was tödliche Anschläge durch Terroristen betrifft.

Von: mm

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