Netiv Ha'avot soll zwar legalisiert und ausgebaut werden, aber 15 Häuser gelten dem Obersten Gericht als illegal

Netiv Ha'avot soll zwar legalisiert und ausgebaut werden, aber 15 Häuser gelten dem Obersten Gericht als illegal

Israelische Familien aus Netiv Ha'avot evakuiert

In Judäa räumt die israelische Polizei 15 laut Gerichtsurteil illegal errichtete Häuser. Tausende Jugendliche protestieren. Auch zwei Minister kritisieren die Aktion.

NETIV HA'AVOT (inn) – Israelische Sicherheitskräfte haben am Dienstagmorgen begonnen, 15 Häuser im Außenposten Netiv Ha'avot südwestlich von Bethlehem zu räumen. Aufgrund eines Gerichtsbeschlusses müssen die Gebäude abgerissen werden. Hintergrund sind Ansprüche, die Palästinenser auf das bebaute Land erheben. Grundsätzlich will die Regierung den Außenposten allerdings legalisieren – und fördert den Bau von 350 neuen Häusern.

Einem Bericht der Tageszeitung „Yediot Aharonot“ zufolge waren Tausende Polizisten im Einsatz, um gewaltsame Proteste gegen die Evakuierung der 15 Familien zu verhindern. Etwa 1.000 israelische Jugendliche hatten sich zuvor versammelt. Mehrere kletterten auf eines der Dächer und weigerten sich, wieder herabzusteigen – obwohl die Bewohner sie darum baten. Einige Teilnehmer der Proteste riefen die Sicherheitskräfte zur Befehlsverweigerung auf. Reifen und Abfalleimer wurden in Brand gesteckt. Es kam auch zu geringfügigen Zusammenstößen mit der Polizei, mindestens zwei Demonstranten wurden festgenommen.

Anschließend gab es laut „Yediot Aharonot“ kaum Widerstand. Die Familien hätten ihre Häuser mit Tränen in den Augen verlassen. Sie werden zwei Jahre lang in provisorischen Gebäuden leben. Bis dahin, so hoffen sie, wird eine Regelung für den evakuierten Außenposten gefunden.

Das Urteil des Obersten Gerichtshofes kam durch eine Petition der linksgerichteten Organisation „Peace Now“ zustande. Die jetzt evakuierten Bewohner beteuern, kein einziger Palästinenser habe bislang beweisen können, dass er das Land besitze. Die Organisation hingegen sagt, in der Eingabe fänden sich Namen von Palästinensern, die Anspruch auf das Land erheben.

Bennett und Schaked bei Gegendemonstration

Am Montagabend hatten Tausende Israelis an einer Protestkundgebung in Netiv Ha'avot teilgenommen. Auch Bildungsminister Naftali Bennett und Justizministerin Ajelet Schaked waren zugegen. Bennett bezeichnete die Räumung als „absurd“. Ein Mädchen habe ihn nach dem „Warum“ gefragt. „Es gibt keine Antwort, keinen Grund und keine Logik. Manchmal ist das Oberste Gericht sehr aktiv bei Menschenrechten, aber wenn es um die Rechte der Bewohner hier geht, wird das Gericht plötzlich passiv.“

Justizministerin Schaked bezeichnete die Evakuierung als „Folge eines schweren Fehlers“. Es habe vor einigen Jahren mit einer falschen Antwort des Staates begonnen und ende nun mit einer falschen Entscheidung des Gerichtes.

Von: eh

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein beim Christlichen Medienverbund KEP e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus