Hat bei seiner Berichterstattung über den Nahostkonflikt vor allem die arabische Seite im Blick: Chaled Abu Toameh

Hat bei seiner Berichterstattung über den Nahostkonflikt vor allem die arabische Seite im Blick: Chaled Abu Toameh

„Für den Frieden fehlt die Bildung“

Die führenden Politiker und die wichtigsten Medien im Westen sind sich weitgehend einig: Die israelische Siedlungspolitik ist das große Hindernis für den Frieden. Für die meisten Journalisten arabischer Herkunft ist der Fall ohnehin klar. Aber es gibt Ausnahmen: Chaled Abu Toameh appeliert auch mutig an die Verantwortung der palästinensischen Seite.

„Es gibt zwei Hauptgründe weshalb wir in der Vergangenheit mit den Friedensprozessen nicht vorangekommen sind und weshalb wir in absehbarer Zukunft nicht mit Friedensverhandlungen erfolgreich sein werden: Erstens fehlt die Bildung für Frieden mit Israel. Und es fehlt auf der palästinensischen Seite eine Führung, die dazu autorisiert ist, ein Abkommen mit Israel zu schließen – insbesondere eines, das Kompromisse enthält.“ Diese Worte stammen nicht etwa aus dem Munde israelischer Regierungspolitiker, sondern von einem arabischen Journalisten.

„Nennt mich israelisch, arabisch, muslimisch, palästinensisch“, sagt Chaled Abu Toameh, als er sich der kleinen Gruppe deutscher Journalisten in einem Jerusalemer Hotel vorstellt. Seit mehr als 30 Jahren berichtet der israelische Araber über den Nahostkonflikt. Dabei liegt sein Fokus auf dem Geschehen in den palästinensischen Autonomiegebieten.

„Auf der palästinensischen Seite finde ich nicht einen Führer, der den Mut hat, aufzustehen und seinem Volk auf Arabisch, nicht auf Englisch, zu sagen, dass man Israel gegenüber Kompromisse machen muss“, erklärt der in Jerusalem lebende Journalist. Die palästinensische Führung habe sich selbst die Hände gebunden, da sie ihrem Volk immer wieder versprochen habe, von Israel 100 Prozent zu verlangen. Deshalb könne sie nicht mit weniger zurückkommen. Aus diesem Grund habe auch der frühere Palästinenserführer Jasser Arafat abgelehnt, als Israels ehemaliger Premier Ehud Barak ihm im Jahr 2000 bis zu 97 Prozent des Westjordanlandes und Ostjerusalem als Hauptstadt angeboten hatte.

Vergiftete Herzen

Ein ebenso großes Hindernis für den Frieden sieht Abu Toameh in der Hetze gegen Israel. „Es ist eine Kampagne, welche die Herzen und Gedanken von Millionen Menschen in der arabischen und muslimischen Welt vergiftet hat. Eine Kampagne, die es einem Araber oder Moslem letztlich unmöglich macht, über Frieden mit Israel zu sprechen und dabei am Leben zu bleiben. Ich bin mehrmals pro Woche in Ramallah. Aber könnte ich mich dort in der Öffentlichkeit hinsetzen und einer Gruppe Palästinensern sagen: ‚Ich finde, es ist Zeit, einige Zugeständnisse Israel gegenüber in Erwägung zu ziehen. Ich finde, es ist Zeit für uns, Frieden mit den Juden zu schließen, vielleicht sollten wir Israels Existenzrecht anerkennen. Vielleicht sollten wir Gewalt und Terror sein lassen.’ Wenn ich das mache und Glück habe, dann wird mir nur ins Bein geschossen, während ich abhaue.“

Wer Frieden mit Israel schließen wolle, müsse sein Volk auf Frieden mit Israel vorbereiten, betont der Araber und verweist darauf, dass der palästinensische Präsident Mahmud Abbas Hetze zulasse. „Wir sagen unserem Volk: Die Juden sind schlecht, sie wollen keinen Frieden, sie wollen uns töten, unser Land stehlen, das Wasser vergiften. [...] Die Juden wollen die Al-Aksa-Moschee zerstören und die Juden entweihen unsere heiligen Stätten mit ihren schmutzigen Füßen.'“ Wer so gegen Israel hetzt, könne nicht zugleich Friedensverhandlungen mit Israel führen, ohne beim Volk als Verräter zu gelten. Die Hetze und Indoktrination seien außer Kontrolle geraten, meint Abu Toameh. Auch Abbas könne sie nicht mehr beenden. „Das ist eine kulturelle Sache geworden, es läuft in den sozialen Netzwerken, es ist Teil unserer Kultur, es ist überall.“

Abbas fehlt Kontrolle über Palästinenser in Gaza und im Ausland

Abbas habe zudem weder das Mandat seines Volkes noch die Macht, ein eventuelles Abkommen mit Israel umzusetzen, da er bereits im zwölften Jahr seiner vierjährigen Amtszeit sei. Eine solche Vereinbarung könne von den Palästinensern in Frage gestellt werden, da sie von einem Präsidenten unterzeichnet wurde, der keine Legitimität mehr habe. Da im Gazastreifen die radikal-islamische Hamas regiere, habe Abbas zudem die Kontrolle über rund zwei Millionen Palästinenser verloren. Außerdem habe er keine Kontrolle über die Palästinenser in Ostjerusalem, dem Libanon in Jordanien oder Syrien. „Wo ist der Friedenspartner Abbas? Wo kann er ein Friedensabkommen umsetzen, das er mit Israel unterzeichnet hat?", fragt Abu Toameh.

„Voran geht es erst an dem Tag, an dem wir von der arabischen, muslimischen Seite den Traum aufgeben, Israel zu zerstören.“

Bei den Palästinensern gebe es zwei Lager, erklärt Abu Toameh weiter. Eines möchte keinen Frieden mit Israel. Es will Israel durch ein islamisches Imperium ersetzen. Wenn Juden als Minderheit unter einem islamischen Regime leben möchten, dann seien sie willkommen. Das zweite Lager könne keinen Frieden mit Israel schließen. „Es ist die Palästinensische Autonomiebehörde. Vielleicht will sie Frieden mit Israel, aber sie kann nicht, weil sie schwach ist und kein Mandat von ihrem Volk hat.“ Israels Optionen seien daher sehr beschränkt. Laut Abu Toameh tut Israel das Richtige: „Mit den Palästinensern arbeiten, die mit dir arbeiten wollen und auf jeden Palästinenser schießen, der auf dich schießt.“ Voran gehe es erst an dem Tag, „an dem wir von der arabischen, muslimischen Seite den Traum aufgeben, Israel zu zerstören“.

Mitschuld der Medien

Den Medien warf Abu Toameh eine Israel-Besessenheit vor. Sie wollten nichts Falsches auf der palästinensischen Seite sehen. Wenn er darüber berichte, was er bei den Palästinensern beobachte, werde er manchmal gefragt, warum er nicht über die Besatzung spreche und ob er von der jüdischen Lobby bezahlt werde, erzählt Abu Toameh. Dann weise er darauf hin, dass er jeden Tag über die Besatzung lese, aber nie etwas über die Fehler auf der arabisch-muslimischen Seite. Er betont: „Tatsächlich bin ich pro-palästinensisch. Weil ich Reformen, Demokratie, gute Regierungsführung und ein Ende der Korruption fordere. Und ich fordere das nicht, weil Israel das möchte, ich fordere es, weil es gut für uns ist – für die Araber und die Muslime.“

Chaled Abu Toameh schreibt unter anderem für die New Yorker Denkfabrik „Gatestone Institute", die israelische Tageszeitung „Jerusalem Post“ und arbeitet für den US-Nachrichtensender „NBC News“. Für seine mutige Berichterstattung wurde er mehrfach ausgezeichnet, darunter 2014 mit dem „Daniel-Pearl-Preis“.

Diesen Artikel finden Sie in gekürzter Fassung auch in der Ausgabe 3/2017 des Israelnetz Magazins. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/915152, via E-Mail an info@israelnetz.com oder online.

Von: Dana Nowak

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