Mit diesem Foto wollte der syrische Botschafter humanitäre Hilfe syrischer Truppen belegen
Mit diesem Foto wollte der syrische Botschafter humanitäre Hilfe syrischer Truppen belegen

Syrischer Botschafter zeigt gefälschtes Foto

Der syrische UNO-Botschafter Jaafri wollte den UN-Sicherheitsrat von vermeintlicher humanitärer Hilfe der syrischen Regierungstruppen in Aleppo überzeugen. Doch das Foto, das er dafür zeigte, ist gefälscht.

NEW YORK (inn) – Der syrische UNO-Botschafter Baschar Jaafri hat im UNO-Sicherheitsrat ein Foto vermeintlicher humanitärer Hilfe der syrischen Regierungstruppen in Aleppo gezeigt. In Wirklichkeit handelt es sich um ein Bild, das seit Juni in iranischen Medien verbreitet wird und schiitische Milizen in der irakischen Stadt Falludscha zeigt, die Christen helfen.

In der Vergangenheit haben israelische Journalisten immer wieder Bilder aus dem Irak entdeckt, die von der palästinensischen Propaganda benutzt wurden, um israelische Soldaten wegen angeblicher Grausamkeiten und Menschenrechtsverletzungen zu überführen.

In der UNO gab es einen Schlagabtausch zur Lage in Aleppo, wo angeblich syrische Regierungstruppen Massaker an der eigenen Bevölkerung anrichten. Die amerikanische Botschafterin Samantha Power fragte den syrischen Botschafter: „Können Sie wirklich keine Scham fühlen? Gibt es wirklich nichts, was Sie beschämt?“ Die Diplomatin fuhr fort: “Gibt es keinen barbarischen Akt, keine Hinrichtung eines Kindes, die unter Ihre Haut geht, die Sie auch nur ein bisschen gruselt? Gibt es nichts, worüber Sie nicht lügen oder das sie nicht rechtfertigen?“

Nachdem Syriens Vertreter Jaafari den Vereinten Nationen vorgeworfen hatte, die Vorwürfe gegen sein Land basierten auf falschen Informationen, legte er seinerseits vermeintlich „richtige Informationen“ über die aktuellen Geschehnisse vor Ort vor. Das Bild eines Regimesoldaten etwa, der einer Frau seinen Rücken als Treppenstufe anbietet. „Ich habe noch eine Menge anderer Fotos dieser Art, aber ich weiß, dass die Zeit eilt.“ Was die syrische Armee in Aleppo mache, sei letztlich nichts anderes als das, was die Sicherheitskräfte nach den Terroranschlägen von Paris, London oder in Boston getan hätten, schlussfolgerte Jaafari. So der Bericht bei der Online-Ausgabe des „Berliner Tagesspiegels“.

Eine Nachfrage beim „Tagesspiegel“ ergab, dass es sich um einen YouTube-Screenshot der UNO-Debatte handle. In dem Video ist tatsächlich bei 1:17:00 der Botschafter zu sehen, wie er dieses Bild hoch hält. Auf dem Foto ist eine ältere Frau zu sehen, die von einem Lastwagen herabsteigt. Ein Mann in Tarnuniform kniet auf dem Boden und bietet der Frau seinen Rücken als „Stufe“ an, während andere Zivilisten und ein uniformierter Soldat mit aufgenähter irakischer Flagge an seinem Arm der Frau die Hand reichen.

Helfer sind Iraker, keine Syrer

Mit Hilfe des Internet lässt sich das Bild leicht ausschneiden und auf seine Ursprünge prüfen. Während der Botschafter in der UNO behauptete, dass es sich hier um ein Foto hilfreicher syrischer Regierungstruppen in Aleppo handle, erbringt eine schnelle Suche, dass das Bild im Juni in der irakischen Stadt Falludscha aufgenommen worden ist und nicht in Aleppo. Die „Helfer“ sind Iraker und nicht Syrer.

Gemäß der Seite „Newsrescue“ vom 29. Oktober 2016 handle es sich auf dem Bild um Mitglieder der schiitisch-irakischen Armee, die Christen in Falludscha helfen und dort auch Kirchen reparieren. Das Bild wurde im Juni auch schon von „Tnews“ aus dem Iran verbreitet und zeige hilfreiche schiitische Milizen im Irak.

Ulrich W. Sahm

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