Sprechen sich für Verhandlungen aus: der ägyptische Außenminister Schukri (l.) und Israels Premier Netanjahu
Sprechen sich für Verhandlungen aus: der ägyptische Außenminister Schukri (l.) und Israels Premier Netanjahu

Überraschungsbesuch: Ägyptischer Außenminister in Israel

JERUSALEM (inn) – Erstmals seit neun Jahren besucht mit Samih Schukri ein ägyptischer Außenminister Israel. Er bemüht sich um neue israelisch-palästinensische Friedensverhandlungen.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat am Sonntagnachmittag den ägyptischen Außenminister Samih Schukri empfangen. Vor ihrem Gespräch in Jerusalem betonten beide Politiker in einer gemeinsamen Pressekonferenz, dass sie sich für Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern einsetzen wollten. Netanjahu bezeichnete das Abkommen mit Ägypten aus dem Jahr 1979 als „Eckstein der Stabilität“.

„Unsere beiden Nationen haben Frieden, seit wir vor 27 Jahren unseren historischen Friedensvertrag geschlossen haben“, sagte der israelische Regierungschef laut einer Mitteilung seines Büros. „Der Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten sowie zwischen Israel und Jordanien sind der Eckstein der Stabilität in der Region. Sie sind entscheidende Posten für unsere Länder.“ Die Abkommen seien auch Ecksteine eines breiteren regionalen Friedens und einer breiteren Stabilität, die Israel und Ägypten zu erreichen hofften.

Netanjahu rief die Palästinenser erneut auf, „dem größten Beispiel von Ägypten zu folgen und mit uns in direkte Verhandlungen zu treten“. Dies sei der einzige Weg, um „alle ausstehenden Probleme zwischen uns ansprechen und die Vision von Frieden, der auf zwei Staaten für zwei Völkern basiert, in eine Wirklichkeit verwandeln zu können“.

„Kontext der Vision von Präsident Al-Sisi“

Schukri sagte, sein Besuch erfolge an einer entscheidenden und herausfordernden Kreuzung für den Nahen Osten. „Der palästinensisch-israelische Konflikt hat mehr als ein halbes Jahrhundert gewütet. Er hat Tausende Opfer gefordert und die Hoffnungen und Sehnsüchte von Millionen Palästinensern zerbrochen, ihren unabhängigen Staat in den Grenzen von 1967 zu errichten, mit Ostjerusalem als Hauptstadt. Dasselbe gilt für die Sehnsüchte von Millionen Israelis, in Frieden, Sicherheit und Stabilität zu leben.“

Der Besuch stehe im Kontext der Vision von Präsident Abdel Fattah al-Sisi, die er am 17. Mai erarbeitet habe, ergänzte Schukri beim ersten Israelbesuch eines ägyptischen Außenministers seit neun Jahren. Dabei gehe es um einen gerechten und umfassenden Frieden zwischen dem israelischen und dem palästinensischen Volk, der diesen Konflikt zu einem Ende bringe. „Solch eine monumentale Errungenschaft wird einen weitreichenden und dramatischen und positiven Einfluss auf die Bedingungen überall in der Nahostregion haben.“ Ägypten sei weiterhin bereit, zum Erreichen dieses Ziels beizutragen.

Der Außenminister hatte am 29. Juni Ramallah besucht. Währenddessen habe er die palästinensische Führung getroffen und umfangreiche Gespräche geführt. „Heute bin ich in Israel, um denselben Dialog fortzusetzen, damit wir gemeinsam unseren Weg vorwärts zu einer Einigung finden.“ Das Ziel, das Ägypten durch Verhandlungen zwischen den beiden Parteien anstrebe, basiere auf Gerechtigkeit, legitimen Rechten und beiderseitiger Bereitschaft, friedlich in zwei benachbarten unabhängigen Staaten in Frieden und Sicherheit zu existieren.

Friedensprozess und regionale Entwicklungen

Das Treffen im Anschluss an die Pressekonferenz sei in einer „sehr guten Atmosphäre“ abgehalten worden, schreibt die Onlinezeitung „Times of Israel“ unter Berufung auf einen israelischen Diplomaten. Neben dem Friedensprozess habe sich das Gespräch unter anderem um regionale Entwicklungen gedreht. Netanjahu habe die in Gaza vermissten Israelis ins Spiel gebracht und Ägypten um Hilfe bei ihrer Rückführung gebeten. Darauf habe Schukri positiv reagiert, teilte der namentlich nicht genannte Offizielle mit.

Nach Angaben des israelischen Rundfunks dient der Besuch teilweise dazu, den Grund für eine mögliche Reise Netanjahus nach Kairo zu legen. Dafür gibt es allerdings noch keine offizielle Bestätigung. (eh)

Von: eh