Rivlin freut sich über ein hebräisches Straßenschild wie über eine Israelflagge auf einem Mast
Rivlin freut sich über ein hebräisches Straßenschild wie über eine Israelflagge auf einem Mast

Rivlin würdigt Hebräisch-Pioniere – und seinen Lehrer

JERUSALEM (inn) – Für den israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin bleibt die Wiederbelebung des Hebräischen ein Wunder. Dies hat er am Sonntag bei einem Empfang in seiner Residenz betont. Anlass war der „Tag der hebräischen Sprache“.

Ende des 19. Jahrhunderts tobte im damaligen Palästina, das zum Osmanischen Reich gehörte, ein geistiger Kampf: Juden stritten über die geeignete Sprache für „Eretz Israel“, das „Land Israel“, wie sie das Gebiet nannten. Viele Zionisten sprachen sich für Deutsch aus, das damals als Sprache der Gelehrsamkeit galt. Doch die Befürworter des Hebräischen setzten sich durch – gegen alle Widerstände. Daran hat Israels Staatsoberhaupt Reuven Rivlin am Sonntagabend in seiner Jerusalemer Residenz erinnert.

Der Präsident lobte den Pionier Elieser Ben-Jehuda, der die „Auferstehung des Hebräischen“ ab den 188oer Jahren vorangetrieben hatte. Er erweckte Begriffe aus Bibel und Talmud zu neuem Leben, deutete sie um oder erfand völlig neue Ausdrücke. Im Jahr 1921 erkannten die Briten Hebräisch neben Englisch und Arabisch als offizielle Sprache für das Mandatsgebiet Palästina an. Heute begehen Israelis den „Tag der hebräischen Sprache“ an Ben-Eliesers Geburtstag.

Rivlin führte den Sieg des Hebräischen laut Mitteilung des Präsidialamtes darauf zurück, dass es ein nationales Symbol sei. Der gebürtige Jerusalemer erzählte, er sei immer noch freudig erregt, wenn er in den Straßen hebräische Schilder sehe. Er freue sich darüber, dass diese Wörter aus den „Einmachgläsern“ herausgekommen seien, in denen sie verwahrt worden seien. „Die Auferstehung des Hebräischen war eine Heldentat.“ Der Vater des Präsidenten, Joel Josef Rivlin, gehörte zu den Gründern der Akademie für die hebräische Sprache.

„Zuviel Englisch in der Wissenschaft“

Kulturministerin Miri Regev würdigte Ben-Jehuda als „Symbol für die Erneuerung der Sprache unseres Volkes“. Der Pionier habe die Sprache der biblischen Patriarchen, Propheten und Dichter aus dem Bücherschrank genommen und in eine gesprochene Sprache verwandelt.

Auch der Präsident der Akademie für die hebräische Sprache, Mosche Bar Ascher, sprach bei der Veranstaltung. Er bekundete seine Freude darüber, dass die hebräische Sprache Teil des täglichen Lebens geworden sei. Gleichzeitig beklagte er, dass Englisch die universelle Sprache der Wissenschaft sei, auch in Israel. So finde ein Großteil der Konferenzen auf Englisch statt, selbst solche über jüdische Themen. Auch viele wissenschaftliche Aufsätze von israelischen Forschern erschienen in englischer Sprache, ergänzte er der Tageszeitung „Jerusalem Post“ zufolge.

Rivlin dankt seinem Hebräischlehrer

Eine herzliche Begegnung hatte Rivlin am Ende der Veranstaltung. Im Publikum war sein ehemaliger Hebräischlehrer Usi Ornan, der ihn im Gymnasium unterrichtet hatte. Der Staatspräsident umarmte den 93-Jährigen und dankte ihm für alles, was er in seinem Unterricht gelernt habe. Ornan ist Philologe und Hebräischprofessor.

Der „Tag der hebräischen Sprache“ wird an Elieser Ben-Jehudas Geburtstag nach dem jüdischen Kalender, dem 21. Tag des Monats Tevet, begangen. Da er in diesem Jahr auf den 2. Januar und damit auf einen Schabbat fiel, wurde der Gedenktag um einen Tag verschoben. (eh)

Von: eh