Der ursprüngliche Suezkanal wurde innerhalb eines Jahres um eine zweite Fahrrinne erweitert.
Der ursprüngliche Suezkanal wurde innerhalb eines Jahres um eine zweite Fahrrinne erweitert.

Ägypten eröffnet neuen Suezkanal

KAIRO (inn) – In einer feierlichen Zeremonie hat Ägypten am Donnerstag eine zweite Fahrrinne für den Suezkanal eröffnet. Präsident Abdel Fattah al-Sisi sprach von „Ägyptens Geschenk an die Welt“.

Die Regierung hatte den Tag der Eröffnung zu einem nationalen Feiertag erklärt, wie die israelische Tageszeitung „Ha‘aretz“ berichtet. Mit Fliegerstaffeln und Paraden wurde die neue Wasserstraße eingeweiht. Kairo und andere große Städte waren bunt geschmückt. An den Nilbrücken hingen Banner mit der Aufschrift: „Von der Mutter der Welt in die ganze Welt“.

Zu Beginn der Zeremonie befuhr Staatspräsident Al-Sisi mit der historischen Yacht „El-Mahrusa“ („Die Geschützte“) die neue Fahrrinne. Das Schiff war auch das erste, das 1869 bei der Einweihung den ursprünglichen Kanals befuhr.

Parallel zum ersten Kanal hat Ägypten eine zweite Fahrrinne errichtet. Die ursprüngliche Wasserstraße wurde zudem an einigen Stellen verbreitert. Konnten bislang 49 Schiffe täglich den Kanal passieren, so sind es nach der Erweiterung etwa 97.

Keine Terrorgefahr für Schiffe

Das acht Milliarden Dollar teure Projekt wurde in einer Rekordzeit von einem Jahr abgeschlossen. Ursprünglich waren drei Jahre dafür vorgesehen. Al-Sisi wies in seiner Ansprache auf die Bedrohung durch den Terrorismus hin. „Die Arbeiten haben nicht unter normalen Umständen stattgefunden, und diese Umstände existieren noch immer. Wir bekämpfen sie und wir werden sie besiegen.“ Besonders auf der Sinai-Halbinsel gibt es immer wieder Terroranschläge. In den vergangenen zwei Jahren wurden dabei hunderte Soldaten und Polizisten getötet. Laut ägyptischen Behörden sei die Sicherheit der Schiffe auf dem Suezkanal jedoch zu keiner Zeit gefährdet gewesen.

An der Einweihungsfeier nahmen Vertreter aus Frankreich, Russland sowie arabischen und afrikanischen Staaten teil. Aus Deutschland war Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zugegen. Der SPD-Politiker sagte laut der Tageszeitung „Die Welt“: „Die Erweiterung des Suezkanals ist eine beeindruckende Ingenieursleistung, die auch dank der Beteiligung und des Know-hows deutscher Unternehmen in Rekordzeit gelungen ist.“

Die Kanalbehörde erhofft sich von der Erweiterung einen Anstieg der Staatseinnahmen von derzeit rund 5 Milliarden Dollar pro Jahr auf mehr als 13 Milliarden Doller jährlich bis 2023. Ökonomen bezweifeln jedoch, dass dieses Ziel erreicht wird. Ein Stolperstein sei die Entwicklung der Weltwirtschaft, vor allem die langsamer als erwartet wachsende Wirtschaft in China.

Der Suezkanal wurde 1869 eröffnet und seitdem immer weiter ausgebaut. Er verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und stellt den kürzesten Seeweg von Europa nach Asien dar. (dn)

Von: dn