Dieses Denkmal im Wäldchen Rumbula erinnert an die Massenerschießung lettischer Juden, an der Cukurs beteiligt war.
Dieses Denkmal im Wäldchen Rumbula erinnert an die Massenerschießung lettischer Juden, an der Cukurs beteiligt war.

Israel kritisiert musikalische Würdigung für Naziverbrecher

JERUSALEM / RIGA (inn) – Er war nicht nur NS-Kriegsverbrecher, sondern vorher auch ein Pionier der Fliegerei: der Lette Herberts Cukurs. Nun würdigt ein Musical die Verdienste des Massenmörders. Israel protestiert.

Das Musical „Cukurs, Herberts Cukurs“ wurde vor zwei Wochen in der lettischen Hafenstadt Liepaja uraufgeführt – der Geburtsstadt des ehemaligen Volkshelden. In den 1930er Jahren machte Cukurs durch Pionierflüge auf sich aufmerksam, er kam bis nach Tobago. Sein Bild zierte die Titelseiten lettischer Zeitschriften. Doch der Nationalheld hatte auch eine andere Seite: Als Deutschland 1941 Lettland besetzte, schloss er sich der „Sicherungsgruppe Arjas“ an. Dieses Sonderkommando lettischer Kollaborateure ermordete im Auftrag der Besatzer schätzungsweise 45.000 Menschen, unter ihnen waren vor allem Juden.

Cukurs diente als Fahrer und Adjutant des lettischen Kommandeurs und SS-Offiziers Victors Arajs. Nach dem Krieg nannten ihn Letten den „Henker von Riga“. Er tauchte in Brasilien unter. Dort wurde er schließlich vom israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad aufgestöbert und durch ein lukratives Geschäftsangebot nach Uruguay gelockt. In der Hauptstadt Montevideo wurde er 1965 umgebracht.

Das Simon Wiesenthal-Zentrum wirft Cukurs Massenmord und zahlreiche Hinrichtungen vor. Erwiesen ist, dass er am 30. November und 8. Dezember 1941 im Ghetto von Riga lettische Polizisten beaufsichtigte. Dabei schoss er selbst wahllos auf die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. SS-Schergen und lettische Kollaborateure trieben an diesen Tagen etwa 25.000 Juden in einen Wald nahe der Hauptstadt und erschossen sie dort.

„Verbrecher nicht zum kulturellen Helden machen“

Nach der Premiere in Liepaja soll das neue Musical des Produzenten Juris Millers auf Tournee gehen – trotz heftiger Kritik auch in Lettland. Das israelische Außenministerium bezeichnete das Stück als „zynischen Versuch, die Geschichte zu leugnen“ und als „Beleidigung für alle Opfer der Nazis und ihrer Kollaborateure“.

Weiter heißt es in der Mitteilung des Ministeriums: „Israel verurteilt scharf die Produktion eines Musicals in Lettland, das das Gedenken an den lettischen Nazikriegsverbrecher Herberts Cukurs würdigt. Israel begrüßt und teilt die Kritik durch lettische Behörden und die internationale Gemeinschaft an der Aufführung des Musicals. Es darf keine Toleranz für jeglichen Versuch geben, einen abscheulichen Verbrecher in einen kulturellen Helden zu verwandeln.“

Ein 89-jähriger Ghetto-Überlebender, Margers Vestermanis, sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Das Theaterstück ist eine Provokation.“ Er sprach von einer „Kampfparole, um einen Judenmörder zu legitimieren und ihn wieder zum Nationalhelden zu machen“.

Einer der Beteiligten des Kommandos, das Cukurs tötete, hat seine Erlebnisse sehr subjektiv unter dem Decknamen „Anton Künzle“ veröffentlicht, den er auch während der Geheimdienstoperation verwendet. Der Autor war 1934 als Jugendlicher ins damalige Mandatsgebiet Palästina geflohen. Seine Eltern kamen im Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben. Das Buch „Der Tod des Henkers von Riga“ erschien 1999 in deutscher Übersetzung.

Von: eh

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