„Zu schießfreudig“: Vertreter arabischer Gemeinschaften haben gegen illegalen Waffenbesitz und Gewalt bei Arabern protestiert.
„Zu schießfreudig“: Vertreter arabischer Gemeinschaften haben gegen illegalen Waffenbesitz und Gewalt bei Arabern protestiert.

Protest gegen Gewalt bei israelischen Arabern

JERUSALEM (inn) – Vertreter arabischer Gemeinschaften haben am Sonntag ein härteres Vorgehen gegen Gewalt aus ihren Reihen gefordert. Die israelische Polizei tue zu wenig, um Übergriffe zu verhindern.

Die Statistiken zum Thema Gewalt in Israel sprechen eine eindeutige Sprache: Gewaltverbrechen werden sechsmal mehr von Nichtjuden begangen als von Juden, obwohl Nichtjuden nur ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen. Das ergab eine Untersuchung der Forschungsabteilung der Knesset.

Nichtjuden, das heißt vor allem Araber. Nach Auffassung mancher arabischer Politiker ist die Schräglage vor allem auf mangelndes Durchgreifen der israelischen Polizei zurückzuführen. Hauptproblem sei der illegale Waffenbesitz unter Arabern. Statistiken zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, dass Araber illegal Waffen besitzen, zehnmal höher als bei Juden.

Eine Frage der Kultur

Um auf dieses Problem hinzuweisen, haben einige Dutzend Vertreter arabischer Gemeinschaften am Sonntag vor dem Büro des Premierministers Benjamin Netanjahu protestiert. „Es gibt eine Plage illegaler Waffen in arabischen Gemeinschaften“, sagt der arabische Knessetabgeordnete Masud Gana‘im gegenüber der Online-Zeitung „Times of Israel“. „Es ist die Verantwortung der Polizei, die Waffen zu beschlagnahmen. Manchmal ignoriert sie dieses Problem oder nimmt es nicht ernst.“

Für Mahmud Aasi, den Bürgermeister der Ortschaft Kafr Bara, deren 3.000 Einwohner zumeist Araber sind, liegt das Problem in den milden Strafen. Daher seien Polizisten auch nicht motiviert, konsequent gegen illegalen Waffenbesitz vorzugehen. Doch letztlich handele es sich um ein Problem der Araber selbst. „Am Ende des Tages ist es eine Frage der Kultur. Wir sind zu schießfreudig.“

Hohe Arbeitslosigkeit

Der Vorsitzende des Ausschusses für arabische Bürger in Israel, Mohammed Seidan, weist auf ein anderes Problem hin. Für ihn liegt die Ursache der hohen Gewalt und des Waffenbesitzes in der hohen Arbeitslosigkeit bei Arabern. „Gewalt ist das Ergebnis von Arbeitslosigkeit und illegalen Waffenbesitzes. Diese Waffen sind heute auf arabische Bürger gerichtet. Aber ich weiß nicht, auf wen sie morgen gerichtet sind. Wir wollen, dass sie weder auf Juden noch auf Araber gerichtet sind.“

Die Arbeitslosigkeit in Israel liegt bei 5,8 Prozent, im arabischen Sektor ist sie doppelt so hoch. 57 Prozent der Araber leben unterhalb der Armutsgrenze. Ein Bericht der israelischen Zentralbank vom Januar 2014 beklagt unter anderem, dass nur 2 Prozent der Industriezonen Israels in arabischen Gebieten lägen. Die israelische Regierung hat Initiativen ergriffen, um Araber stärker in den Arbeitsmarkt zu integrieren, etwa mit der Einrichtung von Buslinien in Industriegebiete.

Von: df