Ibrahim al-Hawa (zweiter v.r.) hat ein offenes "Friedenshaus" auf dem Ölberg.
Ibrahim al-Hawa (zweiter v.r.) hat ein offenes "Friedenshaus" auf dem Ölberg.

Reisen, Fasten, Beten: die Säulen des Islam

„Ich wohne in Jerusalem, bin Muslim und Palästinenser.“ Begegnung mit einem Friedensstifter.

In deutlichem Hocharabisch legt der alte Mann mit der schwarzen Abaja und roten Kufija Nachdruck auf jedes einzelne Wort. Die Kufija ist das traditionelle arabische Kopftuch, auch als „Palästinensertuch“ bekannt. Er hebt den rechten Zeigefinger und fährt fort: „Ich möchte betonen, dass das palästinensische Volk unter Besatzung lebt. Erst waren es die Türken, dann die Briten, später die Jordanier. Heute sind es die Israelis. Mein Name ist Ibrahim al-Hawa und ich habe ein Haus auf dem Ölberg.“

Die drei Männer, die neben al-Hawa auf der Straße unweit des Damaskustores in Ostjerusalem sitzen, hören aufmerksam zu und nicken zustimmend: „Die Besatzung ändert nichts daran, dass wir Palästinenser sind. Die Besatzer haben unser Land genommen.“

Mit diesem politischen Statement scheint das Wichtigste geklärt. Deshalb fährt al-Hawa fort, seine persönliche Geschichte zu erzählen: „Ich habe fünf Töchter und fünf Söhne. 26 Mal war ich in den Vereinigten Staaten von Amerika. Zwei meiner Töchter leben dort. Gestern hatte ich 39 Enkelkinder. Heute sind es 40.“ Die Zuhörer schauen fragend. Al-Hawa erklärt: „Eine Tochter in Amerika hat gestern ein Mädchen geboren, den Namen weiß ich noch nicht.“ Durch die schwarze Hornbrille auf seiner Nase wirkt al-Hawas Gesicht markant. Er hat einen kurzen weißen Bart und lächelt zufrieden vor sich hin.

„Mein Großvater ist 134 Jahre alt geworden – 134 Jahre! Darüber wurde sogar in National Geographic berichtet.“ Al-Hawa erzählt weiter: „Meine Mutter ist 101 Jahre alt geworden. Alle Welt denkt, wir könnten nicht zählen oder legten unseren Altersangaben den islamischen Kalender zugrunde. Aber diese Jahreszahlen entsprechen alle dem christlichen Kalender. Juden, Christen und Muslime sind eins, weil es nur einen Gott gibt. Wir sind alle Kinder von Adam und Eva. Aber zwischen der Religion und dem Menschen gibt es einen riesigen Unterschied. Die Religion gebietet eines und der Mensch tut etwas anderes. Wenn ein Mensch fünfmal am Tag betet und schlecht über Leute redet, ist er kein Muslim. Der Islam verbietet das Lästern über andere, der Muslim tut es dennoch.“

„Ich bin nur ein einfacher Mensch, ein Fellache. Aber ich bete fünf Mal am Tag. Und dass man uns unseres Landes beraubt hat, das weiß ich. Ich habe 38 Länder besucht und war Kontaktperson für alle großen deutschen Fernsehsender und Zeitungen. Ich habe ein offenes Haus auf dem Ölberg. Ich habe dort immer viele Gäste aus aller Welt. Sogar Japaner. Komm mich besuchen, dann erzähle ich dir mehr.“ Sein Haus ist allgemein als „Peace House“, Friedenshaus bekannt. Dort können Gäste aus aller Welt man essen, übernachten und diskutieren.

Während al-Hawa redet, kommt ein blinder Bettler vorbei. Al-Hawa gibt ihm fünf Schekel. Er scheint zu wissen, wer er ist, denn er fordert einen seiner Sitznachbarn dazu auf, den Bettler zum Bus nach Bethlehem zu bringen. Dabei erklärt er: „Der Islam gebietet, den Armen zu helfen.“

Weil er die Pilgerreise nach Mekka vollzogen hat, trägt al-Hawa den Ehrentitel „Haddsch“. Davon machen seine Begleiter kräftig Gebrauch. Denn damit hat al-Hawa schon drei der fünf Glaubenspflichten eines Muslims erfüllt: Erstens führt er das „Salat“ durch, das fünfmalige tägliche Gebet. Dabei kommt es nicht drauf an, ob die Gebete in der Moschee, zu Hause oder auf der Arbeit geleistet werden. Zudem erfüllt er das Gebot des Almosengebens, die sogenannte „Zakat“. Drittens ist er nach Mekka gepilgert. Das sollte jeder Muslim mindestens einmal im Leben getan haben. Die weiteren Grundlagen sind das muslimische Glaubensbekenntnis „es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist sein Prophet“, und das Fasten während des Ramadan-Monats.

Haddsch Ibrahim al-Hawa, der sich als einfachen Fellachen und aufrichtigen Muslim bezeichnet, zieht es vor, kritische politische Fragen unbeantwortet zu lassen. Stattdessen schimpft er über die Besatzung und wünscht sich ein befreites Palästina. Sein Beitrag dazu ist das Haus für Friedensstifter.

Von: mh

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