Peretz überraschend Avoda-Chef – strebt Neuwahlen an

JERUSALEM (inn) – Der Gewerkschaftschef Amir Peretz ist neuer Vorsitzender der Israelischen Arbeitspartei (Avoda). Amtsinhaber Schimon Peres wurde bei der Abstimmung am Mittwoch überraschend nur Zweiter.

Peretz kündigte an, er wolle die Koalition mit dem Likud von Premier Ariel Scharon verlassen und strebe vorgezogene Neuwahlen an: “Wir werden dem Premierminister mitteilen, dass wir gehen wollen.” Das geschehe “natürlich aus dem Wunsch heraus, die Arbeitspartei in eine Alternative zu verwandeln, die vorhat, bei den nächsten Wahlen an die Macht zu kommen”. Der neue Vorsitzende werde mit Scharon über einen passenden Wahltermin sprechen, sagte sein Unterstützer Juli Tamir. Peres hatte mit der Partei bis zum regulären Termin im November 2006 in der Regierung bleiben wollen.

Kurz nach 6 Uhr teilte Avoda-Generalsekretär Eitan Cabel das offizielle Ergebnis mit: 42,35 Prozent der Stimmen für Peretz und 39,96 Prozent für Peres. Der dritte Kandidat, Benjamin Ben-Elieser, erhielt 16,82 Prozent.

Peres kritisiert Wahlverlauf

Die Bekanntgabe hatte sich verzögert, weil Peres Unregelmäßigkeiten im Wahlablauf monierte. Einige Ergebnisse hätten “ungewöhnliche Zweifel” aufkommen lassen. “Es ist unlogisch, dass ich in Gemeinden, in denen ich eine Mehrheit hatte, auf sieben Stimmen gesunken bin.” Doch wenige Stunden später wies das Wahlkomitee die Vorwürfe des 82-jährigen Vize-Premiers zurück und erklärte die Auszählung für beendet.

Peretz will zu Wurzeln zurück

In seiner Siegesansprache sagte Peretz, die Partei werde ihre Prioritäten neu definieren. Die derzeitige Regierung habe Entscheidungen getroffen, durch die sozial schwache Israelis benachteiligt würden. “Wir werden es dem Premierminister nicht erlauben, sich der Verantwortung zu entziehen”, so der Wahlsieger. Scharon könne die Schuld nicht auf den zurückgetretenen Finanzminister Benjamin “Bibi” Netanjahu schieben. “Selbst wenn er von morgens bis abends herumläuft und sagt: ‘Ich bin’s nicht, es ist Bibi, ich bin’s nicht, es ist Bibi’ – Sir, Sie sind derjenige, der Premierminister war und es absolut unterstützt hat, dass die schwächsten Gesellschaftsschichten geschädigt wurden.”

Seinen unterlegenen Kontrahenten Peres wolle er in seine Arbeit einbeziehen: “Schimon, ich möchte dich an meiner Seite haben. Lass uns nicht allein. Wenn nicht für mich, dann tu es um der Partei willen; wenn nicht für die Partei, dann tu es für das Land.”

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