Peretz: Explosion möglicherweise durch palästinensische Mine ausgelöst

BEIT LAHIJA (inn) – Nach der Explosion im Gazastreifen mit sieben Todesopfern verdichtet sich in Israel die Annahme, dass die Armee nicht dafür verantwortlich ist. Der Vorfall hatte sich am Freitagabend an einem Strand ereignet, als eine palästinensische Familie dort picknickte.

Der palästinensische Bauer Ali Ghalia hatte seine beiden Frauen und seine neun Kinder mit ans Meer genommen. Unter den Toten sind er und eine der Frauen sowie ein Junge und ein 18 Monate altes Mädchen. Weitere Familienmitglieder wurden verletzt. Die siebenjährige Hadil wurde zur Waise.

Peretz dementiert Berichte

Nach dem Vorfall hieß es zunächst, die israelische Marine habe Granaten auf die Menschen an dem Strand abgefeuert. Doch am Sonntag wies Verteidigungsminister Amir Peretz diese Berichte zurück. Die Vermutung eines Angriffs von Luftwaffe oder Marine sei bereits bei der ersten Untersuchung fallen gelassen worden. Hingegen habe die Armee sechs Granaten auf andere Ziele abgefeuert – sie galten Palästinensern, die Israel mit Kassam-Raketen angreifen wollten. Bei einer der Granaten sei unklar, wo sie gelandet sei, sagte Peretz. Allerdings habe sich die Explosion nach palästinensischer Darstellung später ereignet als das israelische Artilleriefeuer.

Der Minister fügte hinzu, dass es sich auch um einen innerpalästinensischen Zwischenfall handeln könne. Möglicherweise hätten Palästinenser eine Mine gelegt, die explodierte. Die Terror-Organisationen hätten die Gegend in der Nähe des Grenzzaunes vermint, um israelische Soldaten aufzuhalten. Dasselbe könne auch am Meer zum Schutz gegen die Marine geschehen sein.

Wie die Tageszeitung „Jediot Aharonot“ berichtet, kamen direkt nach der Explosion Vertreter palästinensischer Terrorgruppen an den Strand. Offenbar hätten sie die Gegend durchkämmt, um nach Beweismaterial zu suchen. Die palästinensische Zusammenarbeit mit den israelischen Ermittlern sei hingegen sehr schlecht, teilte Peretz mit. Dies werfe Fragen auf. Als zwei Verletzte in israelischen Kliniken eintrafen, hatten palästinensische Helfer sie bereits von allen Splittern befreit. Dadurch können die Israelis nicht mehr feststellen, aus welcher Produktion das explodierte Objekt stammte. Mitarbeiter der palästinensischen Krankenhäuser beteuern allerdings, dass es sich zweifelsfrei um Granaten der israelischen Armee gehandelt habe.

Olmert: „Armee ist moralisch“

Bei der Kabinettssitzung am Sonntag sagte Israels Premier Ehud Olmert, er wolle die Palästinenser zunächst nicht um Entschuldigung bitten. Erst müsse feststehen, dass die Armee für den Tod der Zivilisten verantwortlich sei. Er verwies auf den zwölfjährigen Mohammed al-Dura. Dieser war am 30. September 2000 während eines Feuergefechts tödlich getroffen worden. Für die Palästinenser wurde der Junge, der nach ihrer Darstellung von Israelis getötet worden war, zum Symbol des Martyriums. Doch mittlerweile legt eine Fernsehdokumentation von Esther Schapira die Vermutung nahe, dass der Junge durch eine palästinensische Kugel ums Leben kam.

Olmert verteidigte die Armee: „Ich weise alle Versuche zurück, die Moral der Israelischen Verteidigungskräfte anzutasten. Sie sind die moralischste Armee der Welt. Sie haben nie eine Politik gehabt, nach der Zivilisten getroffen werden sollten. Und das ist auch heute nicht der Fall.“

Hamas beendet Waffenruhe

Infolge des Zwischenfalls kündigte die radikal-islamische Hamas ihre einseitige Waffenruhe auf. Diese bestand seit dem Februar 2005. Bis zum Montagmorgen feuerten Palästinenser mindestens 54 Kassam-Raketen auf israelisches Gebiet ab. Ein Hamas-Sprecher sagte: „Wir haben beschlossen, Sderot zu einer Geisterstadt zu machen. Wir werden nicht aufhören, unsere Raketen abzuschießen, bis sie gehen.“ Eine Rakete traf eine Schule. Dabei wurde ein Hausmeister schwer verwundet. In der israelischen Wüstenstadt Sderot begann angesichts der Bedrohung ein Streik in Kindergärten und Schulen.

Der israelische Abgeordnete Zachi Hanegbi von der regierenden Kadima-Partei erklärte am Montag, eine Konfrontation zwischen Israel und der Hamas sei unvermeidbar. Auch der palästinensische Premierminister Ismail Hanije und weitere Führer der Terrorgruppe könnten zum Ziel von Angriffen werden, wenn sich die Hamas wieder dem Terror zuwende.

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