Palästinensischer Ingenieur vermisst – Mossad unter Verdacht

GAZA / KIEW (inn) - Die UN-Flüchtlingsagentur beschuldigt den israelischen Geheimdienst, in der Ukraine einen palästinensischen Ingenieur entführt zu haben. Der 42-Jährige gilt seit dem 19. Februar als vermisst. Seine Ehefrau wirft dem Mossad vor, ein Kraftwerk im Gazastreifen sabotieren zu wollen, für das er als Manager tätig war.

Der Palästinenser, Dirar Abu Sisi, wollte die ukrainische Staatsbürgerschaft beantragen. Nachdem er alle Dokumente in Kiew vorgelegt hatte, sollte er einer Regierungsbehörde in der ostukrainischen Stadt Charkiw Bericht erstatten, die seinen Fall bearbeitete. Dort bestieg er am 18. Februar um 22.55 Uhr einen Nachtzug für die Rückfahrt nach Kiew. Nach Angaben seiner Ehefrau Veronika, die aus der Ukraine stammt, wollte er am nächsten Morgen seinen Bruder treffen, der von Amsterdam nach Kiew kommen sollte. Doch diese Zusammenkunft fand nie statt, berichtet die Tageszeitung "Ha´aretz".

Sie habe von der ukrainischen Polizei erfahren, dass zwei unbekannte Männer ins Abteil ihres Gatten gestiegen seien, sagte Veronika Abu Sisi gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Dies habe sich mehrere Stunden nach der Abfahrt nahe der zentralukrainischen Stadt Poltawa ereignet. Die Männer hätten den Ingenieur aus dem Zug eskortiert.

Die Ehefrau beschuldigt den Geheimdienst Mossad, Abu Sisi entführt zu haben: "Ich habe nicht den Verdacht, ich bin mir dessen sicher", sagte sie in dem AP-Interview. "Mein Mann war das Herz der einzigen Elektrostation in Gaza, oder vielmehr ihr Gehirn. Es ist ein strategisches Objekt, und sie wollen es außer Gefecht setzen."

Nachbarn: "Abu Asis ist ein Anhänger der Hamas"

Gleichzeitig wies sie Spekulationen zurück, ihr Mann könne als bekannter Hamas-Sympathisant auf einer israelischen Fahndungsliste gestanden haben. Er habe sich nie in der Politik oder in einer gewalttätigen Gruppe organisiert. Kollegen und Nachbarn beschrieben ihn hingegen als Hamas-Anhänger. Nur deshalb habe er die Position des stellvertretenden Direktors bei dem Kraftwerk erhalten können, hieß es laut der Zeitung "Jediot Aharonot".

Maksim Butkevitsch, Sprecher des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge in der Ukraine, warf israelischen Sicherheitskräften vor, den Ingenieur verschleppt zu haben. Möglicherweise hätten sie dabei Unterstützung von ukrainischen Kollegen erhalten. "Wir wissen keine Einzelheiten über diese Reise von der Ukraine nach Israel – sagen wir mal so. Aber leider sieht der Vorfall wie eine gewaltsame Entführung aus und nicht wie eine legale Ausweisung oder eine andere legale Handlung vonseiten der Behörden." Nun befinde sich der Palästinenser in israelischer Haft.

"Ingenieur ist in einem Gefängnis bei Aschkelon"

Die israelische Gruppe "HaMoked", die sich für die Rechte von Palästinensern einsetzt, berichtete, Abu Sisi werde seit dem 19. Februar im israelischen Gefängnis "Schikma" nahe der Küstenstadt Aschkelon festgehalten. Die Ehefrau teilte mit, ihr Mann habe eine Woche nach seinem Verschwinden mit ihr telefoniert und gesagt, er sei in Israel. Aus der Gefängnisbehörde hieß es jedoch, man habe keine Informationen zu dem Fall. Der Inlandsgeheimdienst Schabak wollte die Berichte nicht kommentieren.

Nach Angaben der Hamas-Webseite "Al-Risalah" hat der Innenminister im Gazastreifen seinen ukrainischen Amtskollegen aufgefordert, unverzüglich die Gründe für das Verschwinden des Palästinensers zu ermitteln. Auch solle er dafür sorgen, dass der Ingenieur wohlbehalten zu seiner Familie zurückkehren könne.

Veronika Abu Sisi hat ihren Ehemann kennengelernt, als er im Rahmen eines Austauschprogrammes in der Ukraine studierte. Die 32-jährige Geigenlehrerin ist zum Islam konvertiert, um ihn heiraten zu können. Er stammt ursprünglich aus Jordanien. Die beiden haben sechs Kinder. Sie haben zwölf Jahre im Gazastreifen gelebt.

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