Palästinensische Polizisten töten Neffen von Israels Kulturministerin

NABLUS (inn) - Palästinensische Polizisten haben am frühen Sonntagmorgen am Josefsgrab bei Nablus im Westjordanland das Feuer auf eine Gruppe Juden eröffnet. Dabei wurde der Neffe von Israels Kulturministerin Limor Livnat getötet, vier weitere Israelis wurden verletzt. Die Juden hatten ihren Besuch an der Grabstätte nicht mit den zuständigen Behörden abgesprochen.

Der Vorfall wird derzeit von israelischer und palästinensischer Seite untersucht. Die Armee teilte mit, sie habe zuvor Informationen darüber erhalten, dass eine Gruppe von Juden plane, unerlaubt nach Nablus vorzudringen. Bis etwa fünf Uhr morgens seien daher an mehreren Checkpoints in der Gegend Soldaten stationiert worden. Es werde noch geprüft, ob die Israelis die Kontrollpunkte umfahren hatten oder diese nach Abzug der Soldatem passierten.

Ersten Informationen zufolge seien 15 Juden in drei Fahrzeugen gegen fünf Uhr nach Nablus gekommen. Sie seien von palästinensischen Polizisten zum Halten aufgerufen worden. Da sie die Aufforderungen und Warnschüsse der Polizisten ignorierten, hätten die palästinensischen Sicherheitskräfte auf die Fahrzeuge gefeuert. Dabei wurde der vierfache Vater Ben Josef Livnat getötet. Vier weitere Juden wurden verletzt, einer davon schwer.

Livnat wurde am Sonntag auf dem Ölberg in Jerusalem beigesetzt. Tausende beteiligten sich an der Trauerfeier, darunter auch Bildungsminister Gideon Sa´ar und Knessetsprecher Reuven Rivlin. Den Ruf mehrerer Trauergäste nach Rache, wies der Vater Livnats in seiner Rede zurück. Dies sei irrelevant, die Mörder würden erhalten, was sie verdienten.

Die Tante des Getöteten, Israels Kulturministerin, betonte gegenüber dem israelischen Rundfunk: "Dies war Mord, und nicht nur ein Vorfall. Mein Neffe und seine Freunde wurden kaltblütig erschossen." Sie fügte hinzu: "Sie waren nicht bewaffnet, und wurden erschossen, nur, weil sie kamen, um am Josefsgrab zu beten."

Siad Otman, ein Sprecher des Gouverneurs von Nablus, betonte nach dem Vorfall, die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) wolle keine Eskalation. Die Stätte sei für jeden zugänglich, "aber der Zugang muss zuerst koordiniert werden".

Hintergrund

Die von Israelis "Kever Josef" genannte Grabstätte wurde mehrmals von Palästinensern zerstört und schlussendlich zu einer Moschee umgebaut. Die palästinensische Polizei hatte nichts zum Schutz des Heiligtums unternommen. Rechtlich gesehen befindet sich die Grabstätte nach den Osloer Verträgen unter israelischer Hoheit. Um weitere Gewalt zu verhindern, hatte die israelische Regierung das Grab jedoch unter palästinensische Aufsicht gestellt. Die Stätte, an welcher Joseph, ein Sohn des Erzvaters Jakob, begraben liegt, befindet sich bei Nablus, dem biblischen Sichem.

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