Palästinenser sympathisieren mit arabischen Demonstranten

RAMALLAH / GAZA (inn) - Die Hälfte der Palästinenser würde am ehesten für ein Ende der innerpalästinensischen Spaltung demonstrieren. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage des Palästinensischen Zentrums für Politik und Meinungsforschung (PCBS) hervor.

Die Teilnehmer waren auch nach den Unruhen in verschiedenen arabischen Ländern gefragt worden. 92 Prozent sympathisieren nach eigener Aussage mit den Demonstranten, 7 Prozent hegen eine Abneigung gegen sie. Zudem erwarten 64 Prozent von den arabischen Entwicklungen einen positiven Effekt auf palästinensische Angelegenheiten. 17 Prozent rechnen mit negativen Folgen und 15 Prozent mit keinerlei Einfluss auf den palästinensischen Alltag.

Für das Westjordanland halten 47 Prozent der Teilnehmer ähnliche Proteste für notwendig. Unter den Bewohnern des Westjordanlandes liegt die Quote bei 36 Prozent. Dass im Gazastreifen für einen Regimewechsel demonstriert werden sollte, meinen 52 Prozent der befragten Palästinenser. Bei den Menschen im Gazastreifen beträgt der Anteil 67 Prozent. Von den Palästinensern im Westjordanland wären 24 Prozent zur Beteiligung an einer solchen Kundgebung bereit, im Gazastreifen wären es 50 Prozent.

Auf die Frage nach dem bevorzugten Slogan für eine Demonstration nannten 51 Prozent der Umfrageteilnehmer den Satz "die Leute wollen ein Ende der Spaltung". Für "ein Ende der Besatzung" plädierten hingegen 24 Prozent und für "ein Ende der Korruption" 18 Prozent.

Barghuti würde Wahlbeteiligung steigern

Wenn jetzt Präsidentschaftswahlen abgehalten würden, erhielte Amtsinhaber Mahmud Abbas 55 Prozent und der Premier im Gazastreifen, Ismail Hanije, 38 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung läge dann bei 58 Prozent. Würde hingegen Abbas durch den wegen fünffachen Mordes in Israel inhaftierten Fatah-Führer Marwan Barghuti ersetzt, dann könnte dieser 64 Prozent der Stimmen auf sich verbuchen. Hanije käme auf 36 Prozent. Die Wahlbeteiligung würde sich in diesem Falle auf 67 Prozent erhöhen.

Parlamentswahlen würde die Fatah derzeit mit 40 Prozent gewinnen. Die Hamas würden 26 Prozent der Palästinenser wählen. Sonstige Parteien erhielten insgesamt 12 Prozent, und 22 Prozent der Wähler sind unentschlossen. Im Gazastreifen bekäme die dort herrschende Hamas 33 Prozent und im Westjordanland 21 Prozent der Stimmen. Für die Fatah würden im Gazastreifen 42 Prozent votieren und im Westjordanland 39 Prozent.

Das gravierendste Problem, mit dem die palästinensische Gesellschaft konfrontiert ist, sehen 28 Prozent der Teilnehmer in der Verbreitung von Armut und Arbeitslosigkeit. Ein ähnlicher Anteil hält die Spaltung zwischen Hamas und Fatah für besonders bedenklich. 22 Prozent gaben hier die israelische Besatzung und die Siedlungsaktivitäten an. Weitere 11 Prozent nannten die Korruption in manchen öffentlichen Einrichtungen und 8 Prozent die Blockade des Gazastreifens.

Das PCBS hatte vom 17. bis 19. März 1.270 Palästinenser befragt. Dabei wurde es von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah unterstützt.

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