Rund 2.000 Menschen beteiligten sich an einer Kundgebung vor dem Gebäude des Internationalen Roten Kreuzes in Nablus. Die Demonstranten forderten die Hilfsorganisation in einem Brief dazu auf, sich für die Inhaftierten einzusetzen. In Ramallah gingen ebenfalls mehrere Hundert Menschen aus Solidarität für die Gefangenen auf die Straße. Auf dem Jasser-Arafat-Platz in der Stadt hatten Jugendliche bereits am Samstag ein Protestzelt errichtet. Sie warfen Politikern vor, die Angelegenheiten der Gefangenen zu vernachlässigen.
In Gaza demonstrierten rund 1.000 Menschen vor dem Hauptgebäude des Internationalen Roten Kreuzes. Der Hamas-Vertreter Ismail al-Aschkar versicherte der Menge, dass der entführte israelische Soldat Gilad Schalit erst "Freiheit schmecken oder Licht sehen wird", wenn palästinensische Häftlinge entlassen würden. Statt sich dem israelischen Druck zu beugen, würden Palästinenser weitere Israelis entführen.
In der vergangenen Woche waren zahlreiche in Israel inhaftierte Palästinenser in einen Hungerstreik getreten, um gegen verschlechterte Haftbedingungen zu protestieren. Die Gefangenen wünschten sich unter anderem bessere Besucherrechte, sagte der palästinensische Minister für die Angelegenheiten von Häftlingen, Issa Karaka, mit. Besuche seien auf 30 Minuten im Monat beschränkt worden. Laut Karaka beteiligen sich mittlerweile rund 500 Gefangene an dem Hungerstreik.
Sivan Weizman, eine Sprecherin der israelischen Strafvollzugsbehörde, teilte hingegen mit, etwa 160 Gefangene nähmen an dem Streik teil. "Sie werden alle medizinisch beobachtet und keiner von ihnen befindet sich in Gefahr", so Weizman laut der Tageszeitung "Jerusalem Post". Sie wies darauf hin, dass die Gefangenen Wasser trinken.
Israels Premier Benjamin Netanjahu hatte im Sommer die Haftbedingungen für Palästinenser erschwert, um Druck auf die Hamas im Fall Gilad Schalit auszuüben. Den Häftlingen wurde unter anderem der Zugang zu Büchern verweigert, Bildungsprogramme und neue Kleidung wurden gestrichen, die Einzelhaft wurde ausgeweitet und Familienbesuche wurden gekürzt. Außerdem wurde das Fesseln von Händen und Füßen während der Besuchszeit eingeführt.
Bisher wurde keinem Vertreter einer Hilfsorganisation gestattet, den vor fünf Jahren von Palästinensern entführten Soldaten Schalit zu besuchen.