Palästinenser lehnen Maßnahmen gegen Hamas ab

Die Autonomiebehörde ist in den vergangenen Wochen rigoros gegen die Hamas vorgegangen. Doch die Mehrheit der Palästinenser glaubt nicht, dass diese Schritte zielführend sind.
Im Gazastreifen herrschen schwierige Lebensbedingungen, belegt eine Umfrage

Foto: Israelnetz/Dana Nowak

Im Gazastreifen herrschen schwierige Lebensbedingungen, belegt eine Umfrage

RAMALLAH (inn) – Eine große Mehrheit der Palästinenser lehnt die Maßnahmen ab, die die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) gegenüber der Hamas in den vergangenen Wochen eingeführt hat. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des „Palästinensischen Zentrums für Politik und Umfrageforschung“ hervor.

Demnach sind 84 Prozent der Befragten gegen die Stromkürzungen, während sich 88 Prozent gegen die Lohnkürzungen von Regierungsangestellten aussprechen. PA-Präsident Mahmud Abbas hatte betont, die Maßnahmen dienten dazu, die Hamas zur Abgabe ihrer Regierungsgewalt zu zwingen. Doch nur 13 Prozent der Palästinenser glauben, diese Strategie werde funktionieren.

Weiterer Streit befürchtet

Die Forscher befragten die Palästinenser auch zu einem möglichen Abkommen zwischen der Hamas und dem Abbas-Rivalen Mohammed Dahlan. Beide Seiten haben sich angeblich darauf verständigt, einen gemeinsamen Verwaltungsausschuss für den Gazastreifen zu bilden. Im Gazastreifen würden 61 Prozent diesen Schritt befürworten, im Westjordanland nur 29 Prozent. Die Befürchtung steht im Raum, dass dadurch der politische Graben zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland vertieft werden könnte.

Unterschiedliche politische Auffassungen zwischend den beiden Gebieten zeigen sich auch in der Personalie Mahmud Abbas. 75 Prozent der Befragten im Gazastreifen befürworten einen Rücktritt, im Westjordanland tun dies 55 Prozent. Der Favorit auf die Nachfolge ist – insgesamt gesehen – Marwan Barghuti mit einer Zustimmung von 35 Prozent. Der wegen mehrfachen Mordes verurteilte Barghuti hatte zuletzt den Streik palästinensischer Gefangener in israelischen Sicherheitsgefängnissen angeführt.

Ein weiteres Themenfeld der Umfrage war das alltägliche Leben. Hier bewerteten 8 Prozent der Bewohner des Gazastreifens die Lebensbedingungen als „positiv“, und 47 Prozent haben den Wunsch geäußert, auszuwandern. Im Westjordanland bewerteten 24 Prozent die Bedingungen als positiv, und 23 Prozent wollen auswandern. Insgesamt nehmen 79 Prozent der Palästinenser die Beamten der Autonomiebehörde als korrupt wahr.

Von: df

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