HANNOVER / JERUSALEM (inn) – Dekan Olliver Zobel aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wird neuer Propst in Jerusalem. Dies teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Montag mit. Zuvor hatte der EKD-Rat die Berufung bestätigt, die das Kuratorium der Evangelischen Jerusalem-Stiftung (EJSt) ausgesprochen hatte.
Der 57-jährige Theologe folgt auf Propst Joachim Lenz. Dieser übernahm das Amt 2020 und wird Ende Juli 2026 in die Evangelische Kirche im Rheinland zurückkehren.
Zobel wurde in Kassel geboren. Von 2002 bis 2019 war er Pfarrer in Bingen am Rhein, seit 2019 ist er Dekan des evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim. Sein beruflicher Werdegang hat ihn wiederholt nach Jerusalem und ins Heilige Land geführt: als Student, als Vikar an der Evangelischen Erlöserkirche sowie in der Leitung und Verwaltung der in Latrun bei Jerusalem ansässigen Jesus-Bruderschaft Gnadenthal. Sein Propstamt wird er am 1. Dezember 2026 antreten.
„Geistliche Tiefe und internationale Sensibilität“
Die Vorsitzende des Kuratoriums der Evangelischen Jerusalemstiftung, Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden, hob hervor, dass das Propstamt in Jerusalem aktuell eine besondere Bedeutung habe: „Es steht für die verlässliche Präsenz unserer Kirche, für Dialogbereitschaft zwischen Religionen und Kulturen und für das unermüdliche Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit.“ Mit der Berufung von Dekan Zobel habe das Kuratorium eine Persönlichkeit gewonnen, „die geistliche Tiefe, Leitungserfahrung und internationale Sensibilität in besonderer Weise verbindet“.
Auch der Auslandsbischof der EKD, Frank Kopania, unterstrich die Verantwortung: „In einer Zeit großer Spannungen und Unsicherheiten im Nahen Osten braucht es geistliche Präsenz, seelsorgliche Klarheit und den langen Atem des Dialogs. Ich bin dankbar, dass mit Olliver Zobel ein leitungserfahrener, theologisch profilierter und international versierter Geistlicher diese wichtige Aufgabe übernimmt.“
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Christiane Tietz ist Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Sie sagt zu Zobels Berufung: „Seine Verbundenheit mit Jerusalem, seine Leitungserfahrung und seine geistliche Klarheit machen ihn zu einer überzeugenden Besetzung.“ Sie bekundete ihr Bedauern darüber, dass er das Dekanamt verlässt. „Aber ich freue mich sehr, dass ein Pfarrer aus der EKHN diese wichtige Brückenfunktion zwischen Kirchen, Kulturen und Religionen übernehmen wird. Ich wünsche ihm für seine Aufgabe im Heiligen Land in einer herausfordernden Zeit gutes Gelingen und Gottes Segen.“
Zobel: Fähigkeiten als Notfallseelsorge einbringen
Zobel ist sich „angesichts der aktuellen Ereignisse bewusst, dass ein Großteil meiner Arbeit Fähigkeiten erfordert, die ich als Notfallseelsorger gelernt habe: einfach da sein und Not in all ihren Formen aushalten, ohne den Funken der Hoffnung zu verlieren“. Er freue sich aber „auch auf die Begegnungsmöglichkeiten in der Ökumene, im monotheistischen Dialog, mit den Menschen im Land und auch den Besuchenden [sic] aus Deutschland“.
Eine Aufgabe des Propstes in Jerusalem ist die pastorale Versorgung der evangelischen Gemeinden deutscher Sprache in Israel, den palästinensischen Gebieten und Jordanien. Hinzu kommt die Leitung der Stiftungseinrichtungen der EKD in Jerusalem sowie die Repräsentanz der EKD und der Stiftungen gegenüber Kirchen und öffentlichen Einrichtungen im Heiligen Land. (eh)