Offizier fotografierte regelwidrig palästinensische Kinder

In Hebron wollen Soldaten palästinensischen Steinewerfern auf die Spur kommen. Dafür wenden sie allerdings eine regelwidrige Maßnahme an: Sie fotografieren Kinder, und noch dazu nach Einbruch der Dunkelheit.
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Häufiger Anblick bei Nacht: Soldaten in Hebron (Archivbild)

Foto: IDF, flickr

Häufiger Anblick bei Nacht: Soldaten in Hebron (Archivbild)

HEBRON (inn) – Israelische Soldaten haben in Hebron an einem Abend mehrere Kinder aus dem Bett holen lassen, andere waren noch wach. Anschließend fotografierten sie die Jungen und Mädchen. Damit verstießen sie gegen die Vorgaben der Armee, wie die Zeitung „Yediot Aharonot“ berichtet.

Der Vorfall ereignete sich am 3. September im palästinensisch verwalteten Teil der Erzväterstadt. Palästinenser hatten Steine auf ein nahegelegenes Haus von Siedlern geworfen. Nach eigenen Angaben wollten die Soldaten die Schuldigen ausmachen. Deshalb betraten sie am Abend das Gebäude, von dem die Angriffe aus ihrer Sicht ausgegangen waren.

Kein Verdacht gegen ein bestimmtes Kind

In einem Video der siedlungskritischen Organisation B’Tselem ist zu sehen, wie ein Offizier den Bewohnern befiehlt, alle Kinder herbeizuholen. Die Palästinenser kamen dem ohne Widerstand nach. Erwachsene versuchten, die teilweise verängstigten Jungen und Mädchen im Kindergarten- und Grundschulalter zu beruhigen.Andere hatten hingegen offenbar Spaß an der Aktion.

Die Kinder wurden gezwungen, sich auf dem Balkon in einer Reihe aufzustellen. Der Offizier teilte mit, er werde sie fotografieren – was bei Minderjährigen nicht erlaubt ist. Um ihnen ein Lächeln zu entlocken, forderte er sie auf, „Cheese“ zu sagen. Ein Verdacht gegen ein bestimmtes Kind bestand nicht.

B’Tselem sieht in der Aktion einen Beleg für generelle Willkür: „Anscheinend sind für die Armee alle Palästinenser, auch Kinder im Grundschulalter, potenzielle Verbrecher – jedenfalls darf man sie in der Nacht aufwecken, in ihr Haus gehen und ihre Identität kontrollieren.“

Vater: Kinder noch traumatisiert

Der Vater von einigen der Kinder, Samiach Da’ana, sagte am Mittwoch gegenüber „Yediot Aharonot“: „Die Soldaten beschuldigten uns, dass man von uns aus Steine auf die Siedlerhäuser wirft. Unser Haus ist 100 bis 200 Meter von der Absperrung entfernt. Wie kann ein kleines Kind so weit werfen?“

Seine Kinder seien noch traumatisiert, ergänzte der Palästinenser. Sie hätten gezittert und geweint. „Ich habe den Soldaten gesagt, dass es verboten ist, Kinder zu fotografieren. Aber sie sagten, das sei ihre Arbeit und ich solle mich nicht einmischen. Ich habe den Offizier gefragt, wie er sich fühlen würde, wenn man so in sein Haus käme. Wir wollen in Frieden leben. Ich habe Freunde in Israel und sogar in (der Siedlung) Kiriat Arba. Unsere Kinder werfen keine Steine. Wir wollen nur mit Würde behandelt werden, wie Menschen.“

Armee: Verhalten nicht regelkonform

Aus der Armee hieß es: „Im September 2021 wurden mehrere verdächtige Palästinenser identifiziert, als sie Steine aus einem Haus in Hebron nach Kiriat Arba warfen, das im Bereich der Brigade von Judäa liegt. In der Folge betraten die Soldaten das Haus, in dem die Verdächtigen wahrgenommen worden waren, um dem Steinewerfen ein Ende zu setzen und die Verdächtigen auf frischer Tat zu ertappen.“

Das Fotografieren der Kinder stufte die Armee als „nicht regelkonform“ ein. „Ebenso sind die Äußerungen des Offiziers unangemessen. Der Offizier hat wegen seines Verhaltens eine Abmahnung erhalten.“ Zudem würden die Verhaltensmaßregeln den Truppen erneut eingeschärft, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Von: eh

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