Oberrabbi erlaubt Zivilehe für Nichtjuden

JERUSALEM (inn) - Ab sofort ist eine Ziviltrauung in Israel möglich. Das gilt jedoch nur, wenn beide Partner nach dem jüdischen Gesetz keine Juden sind.

Am Mittwoch einigten sich Justizminister Daniel Friedmann und der sephardische Oberrabbi Schlomo Amar auf eine entsprechende Regelung. Damit hat erstmals die religiöse Führungsschicht in Israel einer Eheschließung und Scheidung auf ziviler Grundlage zugestimmt. Laut dem Justizministerium finden diese Heiraten vor einem Zivilgericht statt und fallen unter die Rechtsprechung der Familiengerichte.

Im Gegenzug zu der Einwilligung sollen die Befugnisse des Oberrabbinates, was Konversionen betrifft, erweitert werden. Wie die Tageszeitung „Ha´aretz“ berichtet, wurde dieser Schritt von Premierminister Ehud Olmert unterstützt.

Bei der linksgerichteten Meretz-Partei stieß die Vereinbarung auf Kritik. Der Vorsitzende Jossi Beilin sprach von einer „Täuschung, die nicht Zivilheirat meint, sondern die Isolation und Diskriminierung von Neueinwanderern erhöht, die nicht als Juden definiert sind. Statt ihnen zu gewähren, sich in die israelische Gesellschaft zu integrieren, stellt die Initiative sie in ein Ghetto und isoliert sie noch mehr von der Gesellschaft. Für diese elende Reform hat der Premierminister die Rechte des Oberrabbinates bei Konversionsabläufen erweitert“.

Das bisher geltende Gesetz lässt eine zivile Eheschließung in Israel nicht zu. Nur rabbinische Trauungen sind möglich. Neueinwanderer, die als Juden angesehen werden, mussten für die Heirat bisher ins Ausland fahren. Viele jüdische Israelis schließen den Bund der Ehe auf Zypern.

In Israel leben etwa 264.000 Menschen, die als Nichtjuden angesehen werden. Die meisten stammen aus der ehemaligen Sowjetunion.

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