„New York Times“ entschuldigt sich für Trump-Netanjahu-Karikatur

Eine Karikatur in der „New York Times“ legt nahe, dass Israel die amerikanische Politik kontrolliert. Dafür hat sich die Zeitung nun entschuldigt – und gelobt Besserung. Ein israelischer Künstler findet indes eine eigene Antwort auf die Karikatur.
Die „New York Times“ steht wegen einer antisemitischen Karikatur in der Kritik
Die „New York Times“ steht wegen einer antisemitischen Karikatur in der Kritik

NEW YORK (inn) – Die amerikanische Tageszeitung „New York Times“ bedauert eine Karikatur, die die Herausgeber selbst als „antisemitisch“ bezeichnen. Die Karikatur zeigt den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu als Blindenhund, der US-Präsident Donald Trump führt. An der Hundekette ist ein Davidstern angebracht, Trump trägt eine Kippa. Das Bild erschien in der internationalen Ausgabe vom Donnerstag. Die internationale Ausgabe wird nicht in den USA verbreitet.

Der Stein des Anstoßes: Diese Karikatur erschien am Donnerstag in der internationalen Ausgabe der „New York Times“ Foto: New York Times; Screenshot Israelnetz
Der Stein des Anstoßes: Diese Karikatur erschien am Donnerstag in der internationalen Ausgabe der „New York Times“

Am Samstag erklärten die Herausgeber, es sei eine „Fehleinschätzung“ gewesen, die Karikatur zu veröffentlichen. Eine explizite Entschuldigung fand sich in dem Text nicht. Diese reichten die Herausgeber dann aber in einem weiteren Tweet am Sonntag nach: „Eine solche Bebilderung ist immer gefährlich, und in Zeiten des ansteigenden Antisemitismus ist das umso mehr inakzeptabel.“ Die Zeitung kündigte eine Untersuchung an, wie es dazu kommen konnte, und stellte „bedeutungsvolle Veränderungen“ in Aussicht.

Warum die Herausgeber erst auf eine Entschuldigung verzichteten und sie dann nachreichten, bleibt unklar. Denkbar ist, dass der tödliche Anschlag auf eine Synagoge in Kalifornien dafür ausschlaggebend war.

Die Karikatur hat der Portugiese António Moreira Antunes gezeichnet. Er erlangte bereits 1983 durch eine antisemitische Karikatur Bekanntheit. Darin nahm er ein Bild, das Juden und nationalsozialistische Soldaten im Warschauer Ghetto zeigt, und machte aus den Juden Palästinenser und aus den Nazis israelische Soldaten.

Ursprung in Portugal

Die aktuelle Karikatur wurde zunächst in der portugiesischen Zeitung „Expresso“ veröffentlicht. Dann übernahm sie das Medienwerk „CartoonArts International“, das Karikaturen aus aller Welt sammelt und weiterverbreitet. Die „New York Times Licensing Group“ greift diese Inhalte in ihrem Feed auf; so erscheinen sie auf deren Webseite. Bei Interesse können Zeitungen und Nachrichtenseiten dann eine Abdrucklizenz kaufen. Auf diese Weise erschien die Karikatur in der internationalen Ausgabe der „New York Times“.

Der amerikanische Vizepräsident Mike Pence verurteilte die Veröffentlichung. „Wir stehen an der Seite Israels und verurteilen ALLE Formen von Antisemitismus“, schrieb er am Sonntag auf Twitter. Der israelische Sicherheitsminister Gilad Erdan kritisierte die Karikatur ebenfalls. Er forderte die Entlassung derjenigen, die dafür verantwortlich sind.

Der israelische Künstler Schai Tscharka erwiderte die Vorgänge mit einer eigenen Karikatur: Darin hat der Blindenhund die antisemitischen „Protokolle der Weißen von Zion“ vor Augen. Anstatt Trump führt er die „New York Times“. Anstatt des Davidsterns sind an der Hundekette die Buchstaben „BDS“ erkennbar. Damit ist die Israel-Boykott-Bewegung „Boykott, Desinvestionen, Sanktionen“ gemeint.

Von: df

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