Neue Edition dokumentiert alte Inschriften

JERUSALEM (inn) - Wissenschaftler haben den ersten Band einer internationalen Edition veröffentlicht, in der Inschriften aus der Zeit von Alexander dem Großen bis Mohammed gesammelt werden sollen. Alle Dokumente wurden in Israel oder den palästinensischen Autonomiegebieten entdeckt.

Der erste Band der Sammlung enthält über 700 Inschriften aus Jerusalem und Umgebung bis zur Zerstörung des zweiten Tempels im Jahr 70 nach der Zeitrechnung. Das Projekt wurde 1999 in Angriff genommen und führt Forscher von der Hebräischen Universität Jerusalem, der Universität Tel Aviv und der Universität zu Köln zusammen. Am Ende soll die Edition die Zeit vom 4. vorchristlichen bis zum 7. nachchristlichen Jahrhundert dokumentieren. Die Reihe trägt den Titel "Corpus Inscriptionum Iudaeae/Palaestinae" (CIIP).

"Dies ist die einzige Sammlung von Inschriften aus der römisch-hellenistischen Welt, die vielsprachig ist und Inschriften in allen Sprachen, die lokal benutzt wurden, zusammen dokumentiert", sagte die Professorin Hannah Cotton von der klassischen Abteilung der Hebräischen Universität, die zu den Herausgebern des CIIP gehört. Neben den Sprachen der damaligen Supermächte – Griechisch und Latein – habe es auch Hebräisch, Phönizisch und die verschiedenen aramäischen Dialekte gegeben. Hinzu kämen Mittelpersisch, arabische Dialekte, Armenisch und Georgisch. "Sie repräsentieren die Verschiedenheit der Kulturen, die in derselben Epoche im Land Israel existierten."

Historiker, Philologen und Archäologen arbeiten bei dem Projekt zusammen. Jede bereits bekannte Inschrift wurde für die Veröffentlichung neu untersucht und die bisherige Interpretation überdacht. Die Wissenschaftler haben die Sammlungen der Israelischen Altertumsbehörde durchforstet, aber auch Kirchen, Klöster, Museen und archäologische Stätten. Weitere Quellen sind literarische Texte, in denen Inschriften zitiert werden – zu ihnen gehört die Kreuzesinschrift "Jesus von Nazareth, König der Juden", die das Neue Testament überliefert.

"Sprachen überdauerten Globalisierungstrends"

Jede Inschrift wird durch eine Abbildung illustriert und ins Englische übersetzt. Hinzu kommen Kommentare und Bibliographien. Ein Teil der Inschriften wurde in der neuen Edition zum ersten Mal veröffentlicht. "Wir wollen die historische Wahrheit der örtlichen sprachlichen Vielfalt abbilden, wie sie durch die vielen erhaltenen schriftlichen Dokumente bezeugt wird", sagte Cotton. "Gerade hier haben die Kulturen und Sprachen, die der griechisch-römischen Periode vorausgingen, ihre Ausdauer und ihre Fähigkeit gezeigt, angesichts der ‚Globalisierungstrends‘ der damaligen Zeit zu überdauern. Sie blieben lebendiger und dynamischer als anderswo in der griechisch-römischen Welt."

Die Inschriften dokumentieren das tägliche Leben in Judäa und Jerusalem, etwa durch Rezepte auf Keramikscherben. Auf Ossuarien, in denen die Knochen von Toten in der Antike verwahrt wurden, finden sich die Namen von Personen und ihren Angehörigen.

Die Sammlung soll am Ende neun Bände umfassen und damit eines der wichtigsten Hilfsmittel der Forschung werden. Der zweite Teil des ersten Bandes wird die Inschriften zwischen 70 nach der Zeitrechnung und der Eroberung Jerusalems durch die Araber umfassen, Band II die Inschriften von Caesarea und seiner Umgebung; beide Bände sollen noch in diesem Jahr erscheinen. Das Projekt wird seit 2005 zum allergrößten Teil von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert, während in der Anfangsphase die Arbeit durch die "German Israeli Foundation" und durch den Max Planck-Preis, den Professor Werner Eck als Mitherausgeber erhalten hatte, gefördert worden war.

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