Nabil Abu Rudeineh, Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, kritisierte die Ansprache Netanjahus. Diese habe alle Initiativen sabotiert und alle Bemühungen gelähmt. Der Palästinenser bemängelte vor allem die Forderung des israelischen Regierungschefs nach einem vereinten Jerusalem und die Ankündigung, dass es kein Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge in den Staat Israel geben könne. „Das wird nicht zu einem kompletten und gerechten Frieden führen. Seine Bemerkungen sind nicht genug und werden keine Lösung bringen“, sagte Rudeineh laut der Tageszeitung „Jediot Aharonot“.
„Netanjahus Rede war eine rechtsstehende Rede, welche die Basis für Verhandlungen zerstört hat, indem von einem vereinten Jerusalem gesprochen, die Problematik der Flüchtlinge ausgeblendet und die Anerkennung eines jüdischen Staates gefordert wurde. Das ist eine Rede, in der feste Bedingungen gefordert werden“, zitiert das Blatt einen nicht namentlich genannten Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA).
Laut dem palästinensischen Minister für Arbeit im Westjordanland, Ahmed Madschdalani, biete Netanjahus Rede keine Grundlage für Verhandlungen. „Netanjahu hat Präsident Abbas zwar zu Verhandlungen eingeladen, aber er hat die Infrastruktur entfernt, die solche Verhandlungen erlauben würde, ähnlich wie in seinem Aufruf an die arabischen Führer“, so Madschdalani.
Die Hamas-Führung im Gazastreifen warf Netanjahu „rassistische und extremistische“ Ideologien vor, mit denen er „alle Rechte des palästinensischen Volkes abstreitet“.
Syrische Zeitung: „Netanjahu will Apartheidpolitik“
Negative Reaktionen auf „Bibis“ Rede kamen auch aus Syrien. Im Editorial der staatlichen syrischen Tageszeitung „Tischrin“ vom Montag heißt es: „Die zionistische Regierung stimmt laut Netanjahus Rede der Errichtung palästinensischer Bezirke zu, die an die schwarzen ‚Bezirke‘ in Südafrika zu Zeiten des rassistischen Regimes erinnern“.
Obama vorerst zufrieden
US-Präsident Obama zeigte sich Angaben seines Sprechers Robert Gibbs zufolge hingegen zufrieden mit Netanjahus Rede. Diese sei ein „wichtiger Schritt nach vorn“, erklärte Gibbs am Sonntag in Washington. Er betonte, dass die US-Regierung weiterhin an einer Zweistaatenlösung festhalte.
Tschechiens Außenminister: „Akzeptanz von Palästinenserstaat ist gegeben“
Auch die tschechische Regierung begrüßte die Rede des israelischen Premiers. Außenminister Jan Kohout bezeichnete Netanjahus Befürwortung eines Palästinenserstaates als „Schritt in die richtige Richtung“. Es bedürfe zwar noch einer „weiteren Analyse“, aber die „Akzeptanz eines Palästinenserstaates ist gegeben“, sagte Kohout am Sonntag bei seiner Ankunft in Luxemburg vor Journalisten. Dort findet derzeit ein Treffen der EU-Außenminister statt. Im Laufe des Montags werden sich diese mit Israels Außenminister Avigdor Lieberman treffen. Tschechien hat noch bis Ende Juni die EU-Ratspräsidentschaft inne. Diese geht dann an Schweden über. Der schwedische Außenminister Carl Bildt nannte „Bibis“ Rede einen „kleinen Schritt nach vorn“.
Laut dem finnischen Außenminister Alexander Stubb reiche Netanjahus Schritt noch nicht für eine Verbesserung der europäischen Beziehungen zu Israel aus.