Angesichts des Erfolges von Merkels CDU/CSU bei den Bundestagswahlen teilte Netanjahu am Montag nach Angaben seines Büros mit: „Wir werden die Zusammenarbeit für die gemeinsamen Interessen der beiden Staaten fortführen.“
Israelische Zeitungen analysieren deutsche Wahlen
Das Wahlergebnis und die sich daraus ergebenden Koalitionsmöglichkeiten sind ein großes Thema in den israelischen Medien. In der Tageszeitung „Yediot Aharonot“ untersucht Idit Seltenreich, welche Faktoren die Kanzlerin in Reichweite der absoluten Mehrheit gebracht haben könnten. Die ehemalige Gesandte der israelischen Botschaft in Berlin analysiert dazu unter anderem Merkels Agieren in der Eurokrise.
Am Ende des ausführlichen Artikels bemerkt sie: „Es wurde bereits zu Recht geschrieben, dass sie eine Frau in einer konservativen männlichen Partei ist, eine Protestantin in einer Partei mit katholischer Basis, eine städtische Wissenschaftlerin in einer Partei mit dörflicher Basis und so weiter. Angela Merkel ist es gelungen, diese Charakterisierungen nicht gegensätzlich zu machen, sondern einander ergänzend – in ihrer Gestalt verkörpert sie die Einheit zwischen den verschiedenen Teilen Deutschlands und in ihrer Biographie als Tochter von Eltern aus dem Westen, die sich gerade dafür entschieden, in den Osten überzusiedeln, drückt sie auch diese beiden Teile aus.“
„Gut für Israel?“
Die Tageszeitung „Ha‘aretz“ wiederum geht der Frage nach, ob Merkel „gut für die Juden“ sei. Nach allgemeinen Informationen über Größe und Zusammensetzung der jüdischen Gemeinschaft in der Bundesrepublik erinnert sie an die Beschneidungsdebatte im vergangenen Jahr und damit verbundene antisemitische Vorfälle. Dies habe durch die Initiative der Regierung für eine Gesetzesänderung ein Ende gefunden. „Merkels Begründung war, dass es in Deutschland wichtiger sei, die Religions- und die Kultausübungsfreiheit zu wahren und dass der Staat das jüdische Leben auf seinem Gebiet auch und gerade 70 Jahre nach der Schoah gerne fördert.“
Redakteur Ofer Aderet erweitert seine Frage jedoch auch um den Aspekt „gut für Israel?“. Nach seiner Auffassung war das Verhältnis zwischen der Kanzlerin und dem israelischen Regierungschef warm, solange Ehud Olmert im Amt war. Doch mache Merkel keinen Hehl aus ihrer persönlichen Antipathie gegenüber dem Nachfolger Netanjahu. „Die Beziehung zwischen den beiden spielt sich auf unteren Ebenen des Außenministeriums ab. Die Wärme, welche die Beziehungen zwischen der Regierung Olmert und Merkel kennzeichnete, ist zu einer eisigen Berliner Kälte geworden.“
Weiter heißt es in dem „Ha‘aretz“-Artikel, im Innersten lehne die Bundeskanzlerin die israelische Siedlungspolitik ab. In Zeiten der Prüfung treffe Deutschland seine Entscheidungen nicht immer entsprechend der oft betonten „besonderen Beziehungen“ zum jüdischen Staat. Dies habe sich bei der Abstimmung über den palästinensischen Antrag auf UN-Aufnahme gezeigt, den die Bundesrepublik nicht ablehnte. Auch die Ablehnung eines Militärschlages gegen Syrien nach dem Einsatz von chemischen Waffen habe viele Israelis befremdet. Hingegen liefere Deutschland militärische U-Boote an den jüdischen Staat – entgegen seiner offiziellen Politik. Dabei schaffe es die Regierung „mit Leichtigkeit, die Kritik aus der Heimat abzuwehren – vor allem von der linksextremen Partei, ‚Die Linke‘“.
Aderet erwähnt Merkels historischen Besuch in der KZ-Gedenkstätte Dachau während des Wahlkampfes, der wegen seiner Terminierung von vielen Seiten kritisiert worden war. Der Israeli kommt zu dem Schluss: „Merkel hat sich nicht über die Kritik aufgeregt und war die erste Kanzlerin in der deutschen Geschichte, die das Lager besuchte. Gut für die Juden? Auf jeden Fall. Gut für die Deutschen? Nicht weniger.“