Nazijäger geht in den Ruhestand

WIEN (inn) – Simon Wiesenthal hat seine Arbeit vollendet und hört auf, Kriegsverbrecher aus dem Zweiten Weltkrieg aufzuspüren. In einem Interview mit der österreichischen Wochenzeitung Format meinte der 94jährige Holocaustüberlebende, er habe die gesuchten Massenmörder gefunden und viele von ihnen um Jahre überlebt. Diejenigen, die noch am Leben seien, könne man aus Altersgründen nicht mehr vor Gericht stellen. Deshalb stelle er seine Tätigkeit ein.

Der berühmte und gefürchtete Nazijäger Simon Wiesenthal wurde 1908 im heute ukrainischen – damals österreichisch-ungarischen – Buczacz in eine wohlhabende jüdische Familie hineingeboren. In Prag studierte er Architektur. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges begann er im Auftrag der US-Armee Beweismaterial über Nazikriegsverbrechen zu sammeln. In Nürnberg durchkämmte er mehr als 110.000 Tonnen von Dokumenten. Nach dem Krieg eröffnete er gemeinsam mit 30 freiwilligen Helfern in Linz in Österreich das jüdische historische Dokumentationszentrum zu dem Zweck, weitere Nazikriegsverbrecher vor Gericht zu bringen.

1953 erhielt Wiesenthal Informationen über Adolf Eichmann. Über die israelische Botschaft in Wien vermittelte er diese weiter an Israel. 1959 wurde Eichmann in einer spektakulären Aktion von israelischen Agenten von Argentinien nach Israel entführt, vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Am 31. Mai 1961 wurde Adolf Eichmann in Israel hingerichtet.

Durch diesen Erfolg ermutigt widmete sich Simon Wiesenthal ausschließlich der Suche nach Nazikriegsverbrechern. 1963 wurde aufgrund seiner Anstrengungen Karl Silberbauer festgenommen, der Anne Frank verhaftet hatte und als Polizeiinspektor in Österreich untergetaucht war. Im Oktober 1966 wurden in Stuttgart 16 SS-Offiziere für die Judenvernichtung in Lvov vor Gericht gestellt. Wiesenthal hatte neun von ihnen ausfindig gemacht.

Simon Wiesenthal wurden viele internationale Ehrungen erwiesen. Zwei Forschungseinrichtungen und ein Museum tragen seinen Namen.

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