Nationale und internationale Politik würdigt Ariel Scharon

JERUSALEM (inn) – Spitzenpolitiker aus aller Welt haben Israel ihr Beileid über das Ableben des früheren Premierministers Ariel Scharon übermittelt. Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte ihn als „Patrioten“, aus der arabischen Welt kam teils harsche Kritik an Scharons Politik.
Schimon Peres legt einen Kranz vor dem Sarg Ariel Scharons nieder.

Foto: Israelisches Präsidialamt

Schimon Peres legt einen Kranz vor dem Sarg Ariel Scharons nieder.

„Mit seiner mutigen Entscheidung, die israelischen Siedler aus dem Gazastreifen abzuziehen, hat er einen historischen Schritt auf dem Weg zu einem Ausgleich mit den Palästinensern und zu einer Zwei-Staaten-Lösung getan“, teilte Merkel in Berlin mit. Scharon sei ein „israelischer Patriot“ gewesen, der sich große Verdienste um sein Land erworben habe. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier würdigte den Einsatz Scharons für dessen Land. „Ariel Scharon war buchstäblich von Beginn an ein unermüdlicher Verteidiger seines geliebten Heimatlandes Israel“, erklärte er laut einer Pressemitteilung des Auswärtigen Amtes. „Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme ist mit seiner Familie und seinen Angehörigen.“
Der britische Premierminister David Cameron bezeichnete Scharon laut dem Fernsehsender „Sky News“ als eine der signifikantesten Figuren in der israelischen Geschichte. „Als Premierminister hat er mutige und kontroverse Entscheidungen getroffen, um nach Frieden zu streben.“ Frankreichs Präsident François Hollande würdigte Scharon als „wichtigen Akteur in der Geschichte“ Israels, der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete ihn als „Verteidiger seines Volkes“. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon nannte den Israeli einen „Helden seines Volkes“. Ban rief die Verantwortlichen in Israel auf, auf dem Erbe des früheren Regierungschefs aufzubauen und auf die „lange überfällige Errungenschaft eines unabhängigen und lebensfähigen palästinensischen Staates neben einem gesicherten Israel“ hinzuarbeiten, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“.
US-Präsident Barack Obama bezeichnete Scharon als einen Mann, der Israel sein ganzes Leben gewidmet habe. Gleichzeitig bekräftigte Obama die starken amerikanisch-israelischen Beziehungen. Die Vereinigten Staaten seien der Sicherheit Israels „unerschütterlich verpflichtet“ und schätzten die dauerhafte Freundschaft zwischen beiden Ländern und beiden Völkern. Der frühere US-Präsident Bill Clinton erklärte, Scharon habe sein Leben dafür gegeben, Israel zu schützen. „Es war eine Ehre, mit ihm zu arbeiten, zu debattieren und zu sehen, wie er immer versuchte, den richtigen Weg für sein geliebtes Land zu finden“, schrieb Clinton in einer gemeinsamen Erklärung mit seiner Frau Hillary, die von 2009 bis 2013 Außenministerin der USA war. Der ehemalige Präsident George W. Bush teilte per Facebook mit, es sei ihm eine Ehre gewesen, Scharon einen Freund nennen zu dürfen. „Er war ein Partner auf der Suche nach Sicherheit für das Heilige Land und einen besseren, friedlichen Nahen Osten“, so Bush.

Staatspräsident Peres sichtlich bewegt

„Mein lieber Freund, Ariel Scharon, hat heute seine letzte Schalcht verloren“, erklärte Israels Staatspräsident Schimon Peres sichtlich bewegt im israelischen Fernsehsender „Kanal 2“. Er würdigte Scharon als einen der größten Beschützer und bedeutendsten Architekten Israels. „Ariel war ein tapferer Soldat und kühner Führer, der seine Nation liebte und den seine Nation liebte.“ Premierminister Benjamin Netanjahu bezeichnete Scharon als großen Militärkommandeure und mutigen Kämpfer, dessen Erinnerung die Nation immer im Herzen behalten werde. Verteidigungsminister Mosche Ja‘alon teilte mit: „Ariel Scharon war ein herausragender militärischer Führer, der die israelischen Verteidungsstreitkräfte zu einer Armee aufgebaut hat, die sich dem Feind schnell entgegenstellt und am Ende siegt.“ Obwohl er manchmal eine andere Meinung als Scharon vertreten habe, habe er dessen Erfahrung und Führungsstärke bewundert.

Hamas wünscht Scharon „zur Hölle“

Die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas bezeichnete Scharon als Verbrecher, und hat ihn nach seinem Tod zur Hölle gewünscht. Scharons Tod stelle „das Ende eines der arrogantesten Kriminellen der Region dar, der Verbrechen gegen Palästinenser, Libanesen und Ägypter begangen hat“, zitiert die britische Zeitung „Guardian“ den Hamas-Sprecher Fawsi Barhum.
Durch seinen Tod hätten die Menschen im Gazastreifen neue Hoffnung. Mit Scharon würden die Palästinenser immer die Erinnerung an Schmerz, Blut, Folter, Vertreibung und Verbrechen verbinden, teilte ein weiterer Sprecher der Hamas, Salah al-Bardawil, in einer E-Mail-Erklärung an Journalisten mit . „Wir beten zu Allah, dass Scharon und alle Zionistenführer, die Massaker gegen unser Volk verübt haben, in die Hölle fahren.“
Gemäßigte Kräfte um Palästinenserpräsident Mahmud Abbas warfen Scharon „Gräueltaten“ vor. Auf Scharon warte nun Gottes Strafe, sagte das führende Fatah-Mitglied Dschamal Muhessen der Deutschen Presse-Agentur. „Er wird für seine Verbrechen bestraft werden.“ Abbas selbst, der mit Israel Friedensgespräche führt, äußerte sich zunächst nicht zum Tode Scharons.

Scharons Sarg vor Knesset aufgebahrt

Scharons Sarg wurde am Sonntag vor dem Parlament in Jerusalem aufgebahrt. Staatspräsident Peres legte feierlich einen Trauerkranz vor dem Sarg nieder, der in eine weiß-blaue israelische Flagge mit Davidstern gehüllt war. Hunderte Bürger kamen auf den Platz, um dem Regierungschef die letzte Ehre zu erweisen.
Scharon war am Samstag nach langer Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben (Israelnetz berichtete). Der frühere General und Politiker hatte nach einem Schlaganfall acht Jahre im Koma gelegen. An diesem Montag ist eine offizielle Trauerfeier im Parlament vorgesehen, anschließend wird Scharon mit militärischen Ehren auf seiner Farm in der Negev-Wüste beigesetzt.
Die USA werden bei den Trauerfeierlichkeiten von Vize-Präsident Joe Biden und Deutschland von Außenminister Frank-Walter Steinmeier vertreten.
Israels Regierung hielt im Gedenken an Scharon am Sonntag eine Schweigeminute ab.

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