Antoine Lahad (l.) wurde im Libanon wegen Kollaboration mit Israel strafrechtlich verfolgt.
Antoine Lahad (l.) wurde im Libanon wegen Kollaboration mit Israel strafrechtlich verfolgt.
Der ehemalige israelische Kommandeur Peled hält große Stücke auf Lahad.
Der ehemalige israelische Kommandeur Peled hält große Stücke auf Lahad.

Südlibanesen in Israel betrauern Kommandeur Lahad

PARIS (inn) – Der frühere Kommandeur der Südlibanesischen Armee, Antoine Lahad, ist in Paris verstorben. Seine Truppen hatten bis zum Abzug 2000 mit Israel zusammengearbeitet. Die Frage nach dem Bestattungsort des 88-Jährigen löste Proteste im Internet aus.

Von 1984 bis 2000 kommandierte Antoine Lahad die Südlibanesische Armee (SLA). Diese unterstützte die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte gegen die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) und die Hisbollah. Am Donnerstag ist er im Alter von 88 Jahren in der französischen Hauptstadt Paris einem Herzinfarkt erlegen. Das berichtet die israelische Tageszeitung „Yediot Aharonot“ und beruft sich dabei auf die französischsprachige libanesische Zeitung „L‘Orient de Jour“.

Das Blatt kündigte Lahads Beisetzung in Paris für den 18. September an. Zwei Tage später solle es auch eine Zeremonie in seinem südlibanesischen Geburtsort Al-Kattara geben. Die Aussicht, dass der ehemalige Kommandeur im Libanon bestattet werden könnte, führte zu einem Proteststurm in den sozialen Netzwerken. Unter anderem gründeten Libanesen eine neue Facebookseite mit bislang mehr als 6.000 Anhängern. Sie fordert, ein Begräbnis im Libanon nicht zu ermöglichen, weil er mit Israel zusammengearbeitet hat.

Der „Kollaborateur Antoine Lahad und seinesgleichen“ seien „die blutende Wunde unserer Familien“ gewesen, heißt es auf der Facebookseite laut „Yediot Aharonot“. „Die Staatsbürgerschaft ist für denjenigen ausgelaufen, der das Heimatland verraten und Massaker gegen sein Volk verübt hat. Antoine Lahad gehört auf die Müllhalde der Geschichte.“

Attentat überlebt

Lahad entstammte einer wohlhabenden christlich-maronitischen Familie von Landwirten und Händlern. Er absolvierte die Militärakademie und galt als Vertrauter des libanesischen Präsidenten Camille Schamun, der von 1952 bis 1958 im Amt war. Im Jahr 1984 trat er die Nachfolge des schwer erkrankten SLA-Kommandeurs Sa‘ad Hadad an. Er habe die SLA von einer organisierten Miliz mit christlicher Identität zu einer professionellen militärischen Organisation ohne besondere Zugehörigkeit gemacht, die allen Bewohnern im Südlibanon verpflichtet war, merkt „Yediot Aharonot“ an.

Im November 1988 wurde Lahad bei einem Attentat der jungen Libanesin Suha Bischara schwer verwundet. Er musste acht Wochen im Krankenhaus verbringen und behielt eine Lähmung am rechten Arm zurück. Auf die Todesnachricht reagierte die Attentäterin, die damals festgenommen worden war, mit Genugtuung: „Der Tod des Kollaborateurs Antoine Lahad ist für mich der Tod des zionistischen Unternehmens im Libanon, nachdem es seit 1948 in Palästina verewigt wurde.“

Kritik an Barak

Nach dem israelischen Abzug im Mai 2000 verurteilte die Hisbollah Lahad mehrfach in Abwesenheit zu Tode – wegen Verrates an seiner Heimat. Libanesische Behörden verhängten aus demselben Anlass eine Haftstrafe über ihn. Doch der ehemalige Kommandeur eröffnete 2003 ein libanesisches Restaurant in Tel Aviv. Fünf Jahre vor seinem Tod zog er nach Paris.

Den israelischen Rückzug aus dem Südlibanon hatte Lahad grundsätzlich unterstützt, kritisierte aber das Vorgehen des damaligen Regierungschefs Ehud Barak. Vor neun Jahren sagte er gegenüber der israelischen Zeitung: „Ich war nicht gegen den Abzug, im Gegenteil. Ich war sogar zu jener Zeit in einer Gesandtschaft in Frankreich, um zu untersuchen, wie die Chance ist, dass eine französische Truppe anstelle der SLA hereinkommt, während Israel schnell abzog. Aber ich war entschieden gegen einen Abzug ohne Abkommen.“ Er ergänzte: „Als wir dort waren, hatte die Hisbollah Raketen? Sie hatten höchstens Maschinengewehre. Meine Leute hielten 46 Stützpunkte und die israelische Armee elf weitere, und das ganze Bild war völlig anders.“ Das Erstarken der Hisbollah habe ihn nicht überrascht.

Viele Unterstützer der SLA kamen infolge des Abzuges mit den israelischen Truppen in den jüdischen Staat. Heute leben dort etwa 700 derartige Familien libanesischer Herkunft. Marlene Abu Ra‘ad leitet das Forum der ehemaligen Südlibanesen in Israel. „Die gesamte Gemeinde trauert um General Lahad. In den nächsten Tagen werden wir auch ein Gebet zu seinem Gedenken abhalten“, sagte sie angesichts der Todesnachricht.

Ehemaliger israelischer Kommandeur würdigt Lahad

Der ehemalige israelische Abgeordnete Jossi Peled war einige Jahre Kommandeur im Norden Israels – er leitete die Einsatzgruppe, die sich um die SLA kümmerte. Derzeit ist er verantwortlich für die Pipeline zwischen Eilat und Aschkelon. „General Lahad war ein libanesischer Patriot“, kommentierte er den Tod des SLA-Kommandeurs. „Für seinen langjährigen Beitrag zur Sicherheit der Bürger des Südlibanon und der Bewohner an der israelischen Nordgrenze schuldet ihm der Staat Israel eine große moralische Schuld.“

Während seiner Karriere habe er den General Lahad auf persönlicher Ebene kennengelernt, fügte der frühere Staatsminister hinzu. „Er war ein Anführer, ein Kommandeur und ein Mensch. Vor (?) dem Hintergrund der Gräueltaten im Nahen Osten ist es wichtig, dass wir uns an diejenigen unserer Nachbarn erinnern, die nach Stabilität, der Gewährleistung von Sicherheit und der Identifizierung gemeinsamer Interessen gestrebt haben. Möge sein Angedenken zum Segen sein.“

Peled setzt sich seit Jahren für die SLA-Angehörigen in Israel ein. In einem Interview, das Israelnetz vor zweieinhalb Jahren veröffentlichte, sagte er: „Wir haben ihnen Zahlungen organisiert, Gelder für die Zeit, die sie in der Südlibanesischen Armee gedient hatten, alle haben die israelische Staatsbürgerschaft erhalten. Wir haben sehr viel getan, aber nicht genug. Die erste Generation fühlt sich noch nicht zu Hause.“

Der Israeli merkte in dem Gespräch an: „Die Jüngeren, die sich schon nicht mehr an den Libanon erinnern, die 18-, 20-Jährigen, das ist eine völlig andere Generation. Sie sind in jeder Hinsicht Israelis. Wer sie trifft, weiß noch nicht einmal, dass sie Libanesen sind.“ (eh)

Von: eh

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