Das Bild des Anstoßes: Bushidos Twitter-Profil
Das Bild des Anstoßes: Bushidos Twitter-Profil

Rapper Bushido: Ärger wegen Nahost-Karte

BERLIN (inn) – Der Berliner Rapper und Integrationspreisträger Bushido zeigt auf seinem Twitter-Profil eine Landkarte des Nahen Ostens in den Farben der palästinensischen Fahne – ohne den Staat Israel. Politiker von Union und Grünen sind empört – sogar Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat sich eingeschaltet.

Das Profilbild von Bushido zeigt eine Karte des Nahen Ostens in den Farben Schwarz, Rot und Grün – den Farben der palästinensischen Fahne. Daneben ist der Schriftzug „Free Palestine“ („Befreit Palästina“) zu lesen. Die Fahne bedeckt dabei den Großraum Israel, die Grenzen des jüdischen Staates sind nicht aufgezeichnet. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, die Botschaft des Bildes sei unmissverständlich: „Eine Zweistaaten-Lösung, bei der Israel und ein Palästinenserstaat friedlich miteinander existieren, ist nicht akzeptabel. Das gesamte Land soll es sein, für den Judenstaat ist kein Platz.“

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte der „Bild am Sonntag“: „Dieses Kartenbild dient nicht dem Frieden, sondern sät Hass. Bushido muss dieses Bild sofort von seiner Twitter-Seite entfernen, andernfalls kann er nicht länger als Beispiel für gelungene Integration dienen.“

Auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags, der CDU-Politiker Ruprecht Polenz, hat sich empört gezeigt. „Bisher waren solche Darstellungen von der Hamas und anderen extremistischen Palästinenser-Organisationen bekannt“, sagte er. „Es ist ein Skandal, dass ein deutscher Musiker, der ja eine Menge Menschen erreicht, in dieser Weise das Existenzrecht Israels in Frage stellt.“

Der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour hält den Vorgang ebenfalls für inakzeptabel. „Bushido muss dringend erklären, ob er die Zweistaaten-Lösung ablehnt“, sagte er gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Der Rapper erreicht auf Twitter mehr als 283.000 Personen, die seine Statusmeldungen abonniert haben. „Bushido ist ein Vorbild gerade für viele junge Muslime in Deutschland und darf keine Hetze von sich geben“, findet Nouripour.

Der Rapper Bushido ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Über Jahre standen seine Songtexte wegen frauenfeindlicher, homophober oder gewaltverherrlichender Inhalte in der Kritik. In seinem Lied „Taliban“ heißt es beispielsweise: „Ich mach‘ n‘ Anschlag wie in Tel Aviv, hörst du meine Stimme, ich f***‘ deine Mutter.“ Entsprechend geteilt war das Echo auf die Entscheidung des Burda-Verlags, Bushido 2011 mit einem „Bambi“ für gelungene Integration zu ehren. Der Berliner mit tunesischen Wurzeln leiste „einen wertvollen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis sozialer Gruppen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln“, hieß es damals zur Begründung. Politiker unterschiedlichster Parteien sowie Kulturschaffende und Verbände übten deutliche Kritik an der Preisvergabe, auch in sozialen Netzwerken formierte sich Widerstand.

Zum jüngsten Streit über Bushido stand am Freitagnachmittag beim Burda-Verlag auf Anfrage von Israelnetz kein Ansprechpartner zur Verfügung. Die „Bild am Sonntag“ zitiert Patricia Riekel, die Vorsitzende der „Tribute to Bambi“-Stiftung, welche den Preis vergibt: „Wir prüfen den Vorfall und werden dementsprechend reagieren.“

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet indes, den Rapper mehrfach vergeblich um eine Stellungnahme gebeten zu haben. Seine letzten öffentlichen Äußerungen tätigte er auf Twitter: „Wenn ihr die Zeit findet, geht in die Moschee“, empfahl er am Freitag. Am Samstag und Sonntag schrieb er schlicht: „Guten Morgen.“ Zudem veröffentlichte („re-tweetete“) Bushido zwei Nachrichten, die er auf Twitter erhalten hatte. „Am Beispiel von Bushido sieht man mal wieder, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland beim Thema Israel aufhört. Ihr Heuchler!“, schreibt ein Nutzer namens „Basti“. Und Bushido-Fan „mill of beauty“ fragt den Rapper öffentlich: „Sie nennen dein Profilbild ein ‚Skandal‘, warum nennen sie nicht ihr Schweigen über die Gaza-Kriege einen Skandal?“

Die israelische Botschaft in Deutschland reagierte mit augenzwinkernder Gelassenheit. Über ihren Twitter-Account teilte sie mit: „Erst Frauen, dann Schwule, nun Israel: Wir sind stolz darauf, zu den Opfern des Integrationspreisgewinners Bushido zu gehören.“

Von: mb