HAMBURG (inn) - Ohne die Unterstützung von palästinensischen Extremisten wären zahlreiche Anschläge und Terrorattentate der Roten Armee Fraktion (RAF) nicht möglich gewesen - zu diesem Ergebnis kommt das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Hamburg) in einem Beitrag über den "Deutschen Herbst" vor 25 Jahren. Ein ehemaliges RAF-Mitglied redete erstmals darüber, wie Yasser Arafat und seine Terror-Verbündeten der RAF bei Gewalttaten halfen.

 

Nach Aussage des früheren RAF-Terroristen Peter-Jürgen Blook sei die Zusammenarbeit deutscher und palästinensischer Terroristen über lange Jahre hinweg geknüpft worden. "Ohne die Unterstützung der Palästinenser wäre die RAF von Mitte der siebziger Jahre bis Anfang der achtziger Jahre nicht mehr oder sehr uneingeschränkt aktionsfähig gewesen", sagte Blook dem "Spiegel".

 

Im Zuge der Zusammenarbeit der RAF mit palästinensischen Terrorgruppen erhielt die Rote Armee Fraktion nicht nur schwere Waffen und Munition, sondern wurde auch in den Trainingslagern der Palästinenser ausgiebig auf Gewalttaten in Europa vorbereitet. Laut "Spiegel" fanden die RAF-Terroristen nach der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer im Herbst 1977 ein Versteck in der Zentrale der marxistisch-leninistischen "Volksfront für die Befreiung Palästinas" (PFLP) in Bagdad. Dort trafen sie mit dem Führer der PFLP, dem einstigen Kinderarzt Wadi Haddad zusammen, der den RAF-Mitgliedern weitere Unterstützung anbot. "Seine Leute könnten die deutsche Botschaft in Kuwait besetzen oder eine Lufthansa-Maschine entführen", lautete das Angebot des PFLP-Chefs, so der "Spiegel".

 

Die Verbindungen der RAF bestanden auch zur radikalen Fatah-Gruppe von PLO-Chef Yasser Arafat: Bei der Fatah erhielten RAF-Leute eine militärische Ausbildung. Den Weg dahin hätten die "Revolutionstouristen des Sozialistischen Studentenbundes" (SDS) durch ihre Teilnahme an dem internationalen PLO-Solidaritätskongreß in Algier 1969 geebnet. Auf Einladung von Yasser Arafat und der "Demokratischen Front für die Befreiung Palästinas" (DFLP) flogen rund 20 Mitglieder des SDS - "unter ihnen ein junger Radikaler namens Joschka Fischer" - nach Algier. "Wir haben, wohlwissend, welche Bedeutung die Konferenz für die Fatah hatte, teilgenommen", sagt der ehemalige SDS-Mann Wolfgang Schwiedrzik dem "Spiegel", "es ging um die Befreiung Palästinas im bewaffneten Kampf. Daß eine solche Lösung die Zerstörung des israelischen Staates voraussetzte, darüber machten wir uns damals keine Gedanken."

 

Auch in den kommenden Jahren bestanden weiterhin Kontakte der RAF zu palästinensischen Terroristen, unter anderem zur PLO Arafats und der Fatah. Im Jahr 1975 wollten RAF-Mitglieder bei einem Besuch in Beirut Kontakt zur PLO aufnehmen, um über eine Ausbildung zu verhandeln. Doch die Terroristen der RAF wurden wochenlang hingehalten, so der "Spiegel". Der Grund: Seit der Rede Arafats vor der UN-Vollversammlung in New York im November 1974 müßten die Funktionäre der Fatah "auf ihren Ruf achten", sie seien jetzt "Diplomaten der Bewegung" und könnten der RAF nicht mehr helfen. Dennoch bot die Fatah den RAF-Terroristen an, Kontakte zu anderen Gruppen herzustellen. PFLP-Aktivisten waren später maßgeblich an der Entführung des Air-France-Flugzeuges nach Entebbe (Uganda) 1976 und der Lufthansa-Maschine "Landshut" nach Mogadischu im Jahr 1977 beteiligt.

Von: ad