NETANYA (inn) - Sie feierten friedlich den Seder-Abend, dann zündete Arafats Killer seine Bombe: Bei einem der schwersten und brutalsten Terroranschläge der vergangenen Monate sind am Mittwochabend in der zentralisraelischen Küstenstadt Netanya mindestens 20 Israelis getötet und 81 zum Teil schwer verletzt worden.

 

Ein palästinensischer Selbstmordattentäter sprengte sich um 19:30 Uhr Ortszeit in dem Park-Hotel in der Küstenstadt Netanya in die Luft. Der Palästinenser war in den vollbesetzten Speisesaal des Hotels im Zentrum Netanyas eingedrungen und hatte dort die Bombe gezündet. Das Park-Hotel (90 Zimmer und 6 Suiten) befindet sich direkt an der Strandpromenade von Netanya.

 

In dem Saal hatten sich mehr als 250 Israelis zur "Seder"-Feier des beginnenden Pessach-Festes versammelt. An diesem Abend gedenken Juden in aller Welt dem Auszug des Volkes Israel aus ägyptischer Knechtschaft.

 

Den Rettungskräften bot sich in dem Hotel ein Bild des Grauens. Den Angaben zufolge sind unter den 81 verletzten Israelis mehr als 30 Schwerverletzte, darunter ein fünfjähriger Junge, der mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht wurden.

 

Zu dem Anschlag bekannte sich noch am Abend die Terrorgruppe "Al-Aksa-Brigaden", eine Gruppierung innerhalb der Fatah-Partei von PLO-Chef Yasser Arafat. Weiteren Meldungen zufolge, hat sich auch die radikal-islamische Hamas-Bewegung zum dem Massaker bekannt. Beide Gruppen hatten zuletzt oft kooperiert.

 

Gegenüber dem panarabischen Nachrichtensender "Al-Jazeera" nannte ein Hamas-Sprecher am späten Abend Abd el-Basset Odeh als Attentäter. Der zum militärischen Hamas-Flügel, Izedine al-Kassam, zählende Terrorist aus der Stadt Tulkarm hatte früher in Hotels in Netanya gearbeitet. Er wurde seit vier Jahren steckbrieflich gesucht.

 

Israels Regierungssprecher Ra´anan Gissin machte in Jerusalem Palästinenserführer Yasser Arafat direkt für den Anschlag verantwortlich. Der Friedensnobelpreisträger wolle den Terror seiner Landsleute nicht bekämpfen.

 

US-Präsident George W. Bush verurteilte den Mordanschlag in scharfer Form. Er hatte Arafat zuletzt mehrfach aufgefordert, die Gewalt zu stoppen.

 

In Israel sind mehr als 10.000 Polizisten während des Pessach-Festes im Einsatz. Sie sollen die Bürger vor neuen Anschlägen schützen.

 

Die Küstenstadt Netanya - ein beliebter Touristenort - war in den vergangenen Monaten häufig Schauplatz von blutigen Anschlägen, zuletzt in der zweiten Märzwoche. Die vor rund 70 Jahren gegründete und rund 130.000 Einwohner zählende Stadt liegt nur zwölf Kilometer vom Gebiet der Palästinensischen Autonomiebehörde entfernt.

 

Mit den Bürgern der Stadt trauen auch Freunde Netanyas in Deutschland. Die von der einzigen Großstadt-Bürgermeisterin Israels, Miriam Feierberg (Likud), regierte Stadt ist verschwistert mit Dortmund und mit Gießen.

Von: ad/zö