PARIS (inn) - Seit dem Beginn der sogenannten "Al-Aksa-Intifada" der Palästinenser gegen Israel im September 2000 ist besonders in Frankreich die Zahl von Übergriffen gegen Juden massiv gestiegen.

 

Wurden in den vergangenen Jahren landesweit nur drei bis vier antisemitische Fälle gemeldet, so wurden seit dem Beginn der Intifada 116 solcher Vorkommnisse registriert, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (München) in ihrer aktuellen Ausgabe unter Berufung auf den "Rat der jüdischen Vereinigungen in Frankreich".

 

Nach den Attentaten in den USA am 11. September rolle "eine neue Welle" des Antisemitismus über Frankreich. So wurde in Marseille eine jüdische Schule niedergebrannt. Die Täter hinterließen die Nachricht "Bin Laden wird siegen, Tod den Juden". In weiteren Vorfällen sei ein Rabbiner auf offener Straße angegriffen worden, Unbekannte versuchten, eine Synagoge in Brand zu stecken und eine Gruppe Moslems habe auf dem Champs Elysées in Paris mehrere Juden angegriffen.

 

Auch der Vorsitzende des "Rates der jüdischen Vereinigungen", Roger Cukierman, beklagte bereits seit Monaten das antisemitische Klima in Frankreich. Auf den Straßen in Paris höre man zum ersten Mal seit einem halben Jahrhundert wieder den Ruf "Tod den Juden", sagte der Rats-Vorsitzende auf der jährlichen Tagung des jüdischen Rates.

 

In einem weiteren registrierten Fall habe ein französischer Schüler seine jüdische Lehrerin als "dreckige Jüdin" bezeichnet und "Vive Hitler" gerufen. Der Vorfall sei ohne Konsequenzen geblieben.

 

Vor wenigen Tagen hat sich auch die amerikanisch-jüdische "Anti Defamation League ADL" (Anti Verleumdungs Liga) in einem Schreiben an Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac mit großer Besorgnis über den zunehmenden Antisemitismus in Frankreich geäußert. Angesichts der offensichtlichen Tatsachen "bleibt die französische Regierung viel zu passiv", heißt es in dem Schreiben. Chirac müsse sich mit scharfen Worten gegen die anti-jüdische Gewalt in seinem Land wenden und antisemitischen als auch anti-israelischen Äußerungen Einhalt gebieten.

 

Auch Frankreich müsse die internationalen Menschenrechte beachten und in dem gegenwärtigen Konflikt mit den Palästinensern das Recht des Staates Israel auf Selbstverteidigung achten, so die ADL.

Von: ad