Nach Rabbiner-Treffen mit Papst: Dutzende Polen bereuen Antisemitismus

WARSCHAU (inn) – Die Audienz der beiden israelischen Oberrabbiner bei Papst Johannes Paul II. hat unerwartete Folgen gezeigt – nach der Ausstrahlung des Treffens im Fernsehen riefen Dutzende Polen beim Rabbi von Warschau an, um antisemitische Aktionen aus der Nazizeit zu beichten.

Wie einer der Oberrabbiner, Jona Metzger, dem Informationsdienst „Arutz Scheva“ berichtete, erhielt er nach dem Gespräch im Vatikan am vergangenen Freitag einen Anruf vom Rabbi der polnischen Hauptstadt. Dieser erzählte ihm von den Polen, die sich an ihn gewandt hätten, um ihre Beteiligung an der Ermordung von Juden zu gestehen. Er habe ihnen mitgeteilt, dass er „kein Beichtpater“ sei.

Doch ein Anrufer bestand darauf, über ein Erlebnis berichten zu dürfen, weil er deswegen keine Ruhe für seine Seele finde und nachts nicht schlafen könne. Als er elf Jahre alt war, sei sein Onkel eines Tages von der Armee zurückgekehrt, so der Pole. Stolz präsentierte er seine Uniform und wollte den Gebrauch seiner Waffe demonstrieren. Er holte 50 Juden und erschoss sie – „einfach so als Sport“. Der Junge verbarg die Leichen in einer Grube und deckte sie zu. Mehr als 60 Jahre erzählte er niemandem von dem Erlebnis.

In der Sendung über die Audienz hörte er, wie der Papst die Oberrabbiner „meine älteren Brüder“ nannte und mit Ehrfurcht behandelte. Da hatte er das Gefühl, etwas tun zu müssen. Er rief den Warschauer Rabbi an und sagte, er habe gegen Gott gesündigt. Da er schon 72 Jahre alt sei, wolle er nicht mit dieser Last auf dem Gewissen zum Himmel gelangen. Er versprach, dem Rabbiner zu zeigen, wo die 50 Juden vergraben seien. Zudem wolle er dafür sorgen, dass ihre Gebeine nach Israel überführt und dort bestattet werden könnten.

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