Nach Grenzstürmung: Israel und Libanon beschweren sich bei UN

JERUSALEM / NEW YORK (inn) - Israel hat nach dem Sturm auf seine nördlichen Grenzen aus dem Libanon und aus Syrien bei den Vereinten Nationen Beschwerde eingereicht. Unterdessen warfen die USA der syrischen Regierung vor, die tödlichen Zusammenstöße vom Sonntag angezettelt zu haben, um von ihren eigenen Problemen im Land abzulenken.

Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums teilte laut der Tageszeitung "Jediot Aharonot" mit: "Wir haben Beschwerde eingereicht beim Präsidenten des Sicherheitsrates und beim Generalsekretär der Vereinten Nationen gegen Syrien und den Libanon, die für die Verletzung unserer Grenzen, internationaler Abkommen und UN-Resolutionen verantwortlich sind." Er wies darauf hin, dass die Behörden der beiden arabischen Nachbarn nichts gegen die Stürmung der Grenzen unternommen hätten. Weiter betonte der Sprecher, Israels Armee habe mit Zurückhaltung reagiert. Israel hoffe, dass an den Grenzen nun so schnell wie möglich wieder Ruhe einkehre.

Auch der Libanon reichte bei den Vereinten Nationen Beschwerde ein. Er forderte den UN-Sicherheitsrat dazu auf, Druck auf Israel auszuüben, damit das Land seine "aggressive und provokative Politik gegenüber dem Libanon beendet".

UN-Gesandter wirft Israel "unverhältnismäßige Gewalt" vor

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon rief Israelis und Palästinenser dazu auf, weitere Feindseligkeiten zu vermeiden und Zurückhaltung zu üben. Der UN-Sondergesandte für den Libanon, Michael Williams, warf Israel unterdessen "unverhältnismäßige Gewalt" vor. "Ich bin geschockt von der Zahl der Toten und dem Einsatz von unverhältnismäßiger, tödlicher Gewalt durch die israelische Armee gegen offensichtlich unbewaffnete Demonstranten", so Williams.

USA machen Syrien verantwortlich

Syrien hatte nach den Vorfällen vom Sonntag die internationale Staatengemeinschaft dazu aufgerufen, Israel für die tödlichen Konfrontationen verantwortlich zu machen. Unterdessen warfen die USA der Regierung in Damaskus vor, die tödlichen Zusammenstöße angestachelt zu haben. Syrien versuche damit, von seinem gewaltsamen Vorgehen gegen die Demonstranten im eigenen Land abzulenken. Ein solches Verhalten sei "inakzeptabel", hieß es in einer Stellungnahme des Weißen Hauses. Regierungssprecher Jay Carney bedauerte den Verlust von Leben bei den Zusammenstößen, er wies jedoch darauf hin, dass Israel das Recht habe, "unerlaubtes Überqueren seiner Grenzen zu verhindern".

Am Montagmorgen begannen Einheiten der Armee mit der Reparatur des Zaunes entlang der syrischen Grenze. Ein Vertreter des Militärs sagte gegenüber der Tageszeitung "Jediot Aharonot": Wenn die Armee solche Ereignisse in Zukunft  verhindern wolle, bedürfe es mehr, als technische Reparaturen. Zum Schutz vor Invasionen befänden sich nahe des Zaunes Minen, diese hätten sich am Sonntag jedoch als ineffektiv erwiesen. "Nichts hat die Syrer davon abgehalten, sich an den Zaun zu drängen und diesen zu überqueren", so der Armeevertreter.

Am vergangenen Sonntag hatte es anlässlich der Gründung Israels vor 63 Jahren in zahlreichen muslimischen Ländern Demonstrationen gegeben. Die Araber bezeichnen den 15. Mai als Tag der "Nakba" – was soviel heißt wie "schlimme Katastrophe".  In Jordanien, Syrien, dem Libanon und dem Gazastreifen versuchten Tausende Araber, die israelischen Grenzen zu stürmen, in Syrien mit Erfolg. Bei den Zusammenstößen mit Sicherheitskräften wurden 15 Araber getötet und Dutzende verletzt.

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