Nach Beleidigung arabischer Führer: Assad um Schadensbegrenzung bemüht

DAMASKUS (inn) – Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat sich bei einigen arabischen Führern unbeliebt gemacht: Vor einer Woche bezeichnete er alle, die nicht die Hisbollah unterstützten, als „halbe Männer“. Nun bemüht er sich um Schadensbegrenzung, wie die Tageszeitung „Ha´aretz“ berichtet.

Der syrische Informationsminister Muhsen Bilal sagte gegenüber der staatlichen ägyptischen Zeitung „Al-Ahram“: „Der Präsident hat nicht Ägypten oder seine Führung gemeint, der Tadel war gegen andere Araber gerichtet.“ Außenminister Walid Moallem äußerte im Gespräch mit einer kuwaitischen Zeitung, die Bemerkung habe sich nicht auf arabische Führer bezogen. „Präsident Assad meinte mit jenem Satz Einzelpersonen innerhalb Syriens und vielleicht auch außerhalb, die Zweifel an der Fähigkeit des Widerstandes erheben, einen Sieg zu erringen.“ Damit bezog er sich auf die kämpferischen Aktionen der Hisbollah gegen Israel.

Am Montag schickte Assad ein Kondolenzschreiben an den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak. Anlass war das Zugunglück, bei dem zuvor nördlich der Hauptstadt Kairo bis zu 80 Menschen ums Leben gekommen waren. In dem Brief, der im ägyptischen Fernsehen verlesen wurde, erwähnte der Syrer seine frühere Bemerkung allerdings nicht.

Arabische Zeitungen greifen Assad an

Nach Assads Ansprache vom vergangen Dienstag, in der er diejenigen, die nicht die Hisbollah unterstützten, als „halbe Männer“ charakterisierte, hatte es von arabischen Führern keine Reaktionen gegeben. Dies wurde der teilweise staatlichen Presse in Ägypten, Saudi-Arabien und Jordanien überlassen. In mehreren Zeitungen gab es persönliche und direkte Angriffe auf Assad. Ein Blatt bezeichnete den Präsidenten als Rose, die das Blühen versäumt habe. In einem anderen Fall wurde er gescholten, weil er während der Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah ruhig geblieben war. Eine dritte Zeitung machte sich darüber lustig, dass er von Widerstand spreche, wo doch Syrien nicht einmal eine einzige Kugel auf den Golan abgefeuert habe.

Katar vermittelt

Am Montag traf der katarische Emir Scheich Hamad Bin Chalifa al-Thani in Ägypten ein, offenbar um zu vermitteln. Laut dortigen staatlichen Medien sprach er mit Mubarak darüber, dass die arabische Solidarität beibehalten werden müsse. Anschließend flog er nach Damaskus.

Die kuwaitische Tageszeitung „Al-Sijassah“ berichtete indes, dass Assad selbst um ein Treffen mit dem saudischen König Abdullah ersucht habe, um „seine jüngste Position zu erklären“. Dieser habe den Präsidenten jedoch nicht sehen wollen, weil dessen Position klar sei und keiner Erklärung bedürfe.

Laut der Zeitung „Ha´aretz“ war die versöhnende Geste von syrischer Seite in Richtung Ägypten und Saudi-Arabien ausgelöst durch Worte des israelischen Premierministers Ehud Olmert. Dieser hatte am Montag klargestellt, dass Israels Regierung nur mit Syrien verhandeln wolle, wenn das Land seine Unterstützung für Terrorgruppen beende. Damit reagierte Olmert auf die Anregung des Ministers für Innere Sicherheit, Avi Dichter, den Syrern im Austausch für einen Friedensvertrag die Golan-Höhen zurückzugeben.

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