Wie die "Jerusalem Post" berichtet, gab es zwei Festnahmen wegen Störung des öffentlichen Friedens. In dem Zeltlager auf dem Rothschild-Boulevard waren zuletzt vor allem Wohnsitzlose untergekommen. Der Aktivist Schai Siv sagte: "In diesen 80 Tagen haben wir hier eine Gemeinschaft aufgebaut, im Laufe von 80 Jahren hat der Bürgermeister immer wieder versucht, uns den Mund zu verbieten. Heute zeigen wir, dass sie uns nicht mit Gewalt aus dieser Stadt drängen werden."
Am Morgen hatte das Bezirksgericht Tel Aviv eine dringende Anfrage von 16 Mitgliedern des Rothschild-Protestlagers abgelehnt. Diese hatten eine einstweilige Verfügung beantragt, damit ein bestimmter Bereich der Zeltstadt erst später evakuiert werde. Die betreffenden 80 Quadratmeter bezeichnete sie als "das Allerheiligste der Protestbewegung". Zuvor waren Verhandlungen mit der Stadt Tel Aviv gescheitert.
Der Richter am Bezirksgericht sagte, frühere Entscheide hätten festgelegt, dass die Räumung "gesetzmäßig, vernünftig und angemessen" sei. Die fortgesetzte Anwesenheit der Demonstranten auf dem öffentlichen Boulevard habe den Anwohnern geschadet. In Beschwerden seien "Lärm, Drogen, Gewalt, Fäkalien in ihren Gärten, und andere Störungen" angeprangert worden, hieß es aus der Stadtverwaltung. Für die Obdachlosen seien Sozialarbeiter zur Verfügung gestellt worden, zudem habe die Stadt einen alternativen Zeltplatz an einem weniger zentralen Ort vorgeschlagen. Pro Tag seien Kosten in Höhe von 40.000 Schekel (8.000 Euro) für sanitäre Anlagen und Sicherheit in den Zeltstädten entstanden.
Ein Aktivist sagte der Tageszeitung "Yediot Aharonot": "Sie denken, dass der Abriss der Zelte die Münder verschließen wird, aber der Kampf fängt erst an."
Demonstranten beschwerten sich über Diebstähle und darüber, dass ihnen für den eigenständigen Abbau der Zelte nicht genügend Zeit geblieben sei. Doch die Stadt Tel Aviv ließ verlauten: "In der Woche vor dem Abbau der Zeltstädte auf den Boulevards der Stadt wurden viele Warnungen an die Bewohner der Zeltstädte ausgegeben, sowohl mit Hilfe von Manifesten, die an sie verteilt wurden, als auch persönlich durch Angestellte der Stadt, so dass die Verantwortung für das Wegräumen von persönlichen Gegenständen bei den Bewohnern der Zeltstädte liegt. Wer auf seine Gegenstände aufpassen und sie selbständig forträumen wollte, konnte das tun, und auch ein Großteil der Zelte und der Ausrüstung wurden von den Leuten selbständig weggeräumt."
Die Ausrüstung sei in geordneter Weise an einen Ort gebracht und nach den verschiedenen Zeltstädten sortiert worden. Die Aktivisten hätten erfahren, wo sich das Lager befinde, das Tag und Nacht bewacht werde. "Nach den Berichten der Wachleute wurde nichts gestohlen. Wer hinkam und mitteilte, dass ihm etwas gehörte, erhielt die Möglichkeit, es in Empfang zu nehmen."