Nach 12 Jahren: Gedenken an Jitzhak Rabin

JERUSALEM (inn) - Israel hat am Mittwoch in verschiedenen Zeremonien seines vor zwölf Jahren ermordeten Premierminister Jitzhak Rabin gedacht. Regierungschef Ehud Olmert verglich dessen Bemühungen um einen Frieden mit den Schritten, die er selbst bisher unternommen habe. Rabin war am 4. November 1995 bei einer Friedenskundgebung in Tel Aviv von dem rechtsnationalen Israeli Jigal Amir erschossen worden.

Gedenkveranstaltungen gab es unter anderem am Militärfriedhof auf dem Herzl-Berg, in der Knesset sowie an Schulen und Militärbasen im ganzen Land. Olmert sagte vor dem israelischen Parlament: „Mehr als einmal habe ich mich gewundert, vor allem während der letzten zwei Jahre, was Rabin dazu brachte, den Weg von Oslo einzuschlagen. Rabin machte Qualen durch, bevor er ernsthafte diplomatische Aktionen aufnahm. Es gibt einen Augenblick, in dem man die Richtung ändert und das Risiko eingeht, weil eine Entscheidung getroffen werden muss, sich in Richtung Frieden zu bewegen.“

Olmert fügte hinzu: „Ich weiß nicht, ob die Zeit für Frieden schon reif ist, aber ich weiß, dass es meine Pflicht als Israels Premierminister ist, alles zu tun, damit wir jenen Zeitpunkt schnell erreichen.“ Wenn es Frieden gebe, werde es zunächst ein kalter Friede sein. Er fügte hinzu, dass er nicht die Sicherheit von Israelis opfern oder in den kommenden Monaten unnötige Risiken eingehen werde. „Wir wissen bereits, dass Frieden nicht bei internationalen Treffen gemacht wird und nicht nur auf schickem Papier. Frieden wird durch guten Willen und eine echte Bereitschaft gemacht, den anderen anzunehmen, wobei man seine Bedürfnisse und Ängste versteht.“

Der Regierungschef erinnerte an die schweren Jahre seit dem Oslo-Abkommen von 1993 und fügte hinzu: „Wir sind stark und sicher genug, dass es angemessen ist, dass wir das Leiden der Palästinenser anerkennen und ihnen sagen, dass wir nicht teilnahmslos sind gegenüber dem Gefühl der Verzweiflung und der Qual, das sie erfahren haben.“

Netanjahu: „Rabin hätte Jerusalem nicht geteilt“

Oppositionsführer Benjamin „Bibi“ Netanjahu äußerte die Ansicht, dass die israelische Führung Rabins Vermächtnis nicht verstehe, wenn sie nicht die Worte seiner letzten Ansprache in der Knesset würdigen könne: „Jerusalem ist vereint und wird nie wieder geteilt werden.“ Rabin und er hätten in vielen Punkten unterschiedliche Standpunkte vertreten. „Aber es gab viele Dinge, wo wir uns einig waren, wie die liberale Wirtschaftstheorie. Das zentrale Thema, wo wir uns begegneten, war die Unteilbarkeit Jerusalems.“

Wie die „Jerusalem Post“ berichtet, sagte der Likud-Vorsitzende weiter: „Ich spreche das alles für diejenigen an, die sagen, sie gingen in Rabins Richtung, aber dazu neigen, seine Worte zu vergessen. Die Palästinenser sind heute keine Partner für Frieden.“ Aber er hoffe, dass sie in Zukunft andere Führer haben würden, die Schritte in Richtung Frieden gingen.

Peres: „Amirs Plan ist gescheitert“

Staatspräsident Schimon Peres sagte auf dem Herzl-Berg, der Mörder habe sein Ziel verfehlt, den Friedensprozess zu behindern. „Zwölf Jahre sind schnell vergangen seit jener furchtbaren Nacht, in der der israelische Premierminister durch die Niedrigkeit und Scheußlichkeit getötet wurde, die in Mördern besteht – von dem Sohn des Unrechts, der die Integrität der israelischen Demokratie unterminierte und sie mit drei Kugeln stürzen wollte, die er in Jitzhaks ungeschützten Rücken feuerte. Wir waren ein starkes Volk, wir bleiben ein starkes Volk – stärker als jeder Schock und jede Krise.“ Peres war 1995 Außenminister. Ein Jahr zuvor hatte er mit Rabin und Palästinenserführer Jasser Arafat für das Oslo-Abkommen den Friedensnobelpreis erhalten.

Anhänger des Mörders hatten vor einigen Tagen in einer Kampagne Amirs Freilassung aus dem Gefängnis gefordert. Seine Frau Larissa Trimbobler erwartet ihr erstes Kind. Doch der Minister für Innere Sicherheit, Avi Dichter, bestätigte am Mittwoch, Amir werde seine lebenslange Haftstrafe absitzen.

Die Zeremonien zum Gedenken an Rabin werden in Israel nach dem jüdischen Kalender begangen. Am 3. November findet außerdem jedes Jahr eine Gedenkfeier auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv statt.

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