„Miteinander reden, nicht kämpfen“

Houda Ezra Nonoo war von 2008 bis 2013 Botschafterin des Königreiches Bahrain in den USA. Damit war sie die erste Jüdin, die in einem solchen Amt einen arabischen Staat des Mittleren Ostens repräsentierte. Im Interview spricht sie unter anderem über die Lage von Juden und Christen in ihrer Heimat.
Hat als Jüdin den Golfstaat Bahrain in den USA repräsentiert: Houda Ezra Nonoo

Foto: pro/Norbert Schäfer

Hat als Jüdin den Golfstaat Bahrain in den USA repräsentiert: Houda Ezra Nonoo

Israelnetz: Sie waren Botschafterin von Bahrain in den USA. Was waren Ihre Erfahrungen dabei, als jüdische Frau einen muslimischen Staat zu repräsentieren?

Houda Ezra Nonoo: Ich habe meinen Staat als eine Bahrainerin repräsentiert. Als ich zur Botschafterin ernannt wurde, stand in den Schlagzeilen „jüdische Frau“. Ich habe die Medien kontaktiert und gesagt: Moment mal, ich bin zuerst Bahrainerin. Jüdisch zu sein ist meine Religion. Bahrain ist mein Land.

Wie viele Juden leben heute in Bahrain?

Im Land selber leben 34 Juden. Das ist also eine sehr kleine Community. Ich bin entweder über meinen Vater oder meine Mutter mit allen von ihnen verwandt.

Dann ist das also nur Ihre Familie?

So gesehen ja, die erweiterte Familie.

Gibt es christliches Leben in Bahrain?

Ja, das gibt es. Wir haben 19 registrierte Kirchen. Mein Kollege, der Botschafter in London war, ist ein bahrainischer Christ. Christen spielen also genauso eine Rolle und sind auch im Oberhaus des Parlaments vertreten.

Im Juni haben die USA in Bahrain eine Wirtschaftskonferenz abgehalten, die Teil ihres Friedensplanes für den Nahen Osten sein sollte. Was denken Sie darüber?

Es ist ein guter Plan, aber die Menschen müssen zusammenkommen, um miteinander zu arbeiten. So etwas kann nicht einseitig umgesetzt werden.

Wie schätzen Sie es ein, dass Israel seine Kontakte in Staaten wie Oman, Bahrain oder Saudi-Arabien ausbaut?

Davon weiß ich nichts. Aber wenn dem so ist, ist es an der Zeit, vorwärts zu gehen.

Sie beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie besonders Frauen als Friedensstifter aktiv werden können. Welchen Rat würden Sie Frauen auf beiden Seiten des israelisch-palästinensischen Konflikts geben?

Setzt euch zusammen und sprecht miteinander. Man kann nur etwas erreichen, indem man spricht, nicht indem man kämpft.

Vielen Dank für das Gespräch.

Israelnetz traf Houda Ezra Nonoo am Rande der Konferenz „Religions of Peace“ in Lindau. Trotz ihres engen Zeitplanes war die Mitbegründerin des bahrainischen Zweiges der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ bereit, sich den Interviewfragen zu stellen. „Religions for Peace“ ist die größte internationale multireligiöse Allianz, die sich für Frieden einsetzt. Bei der diesjährigen 10. Weltkonferenz standen Fragen nach gemeinsam geteiltem Wohlstand im Mittelpunkt der Beratungen. Rund 900 Gäste und Delegierte verschiedener Religionen aus 125 Ländern nahmen von Montag bis Freitag daran teil.

Die Fragen stellten Elisabeth Hausen, Norbert Schäfer und Jonathan Steinert

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