Militäreinsatz gegen Hamas: Israelische Zeugen sprechen vor UN-Kommission

GENF (inn) - Fünf Israelis haben am Montag vor einem Komitee des UN-Menschenrechtsrates in Genf ausgesagt, welches die israelische Operation "Gegossenes Blei" gegen die Hamas im Gazastreifen untersucht. Die israelische Regierung wirft der UN Einseitigkeit vor und weigert sich, bei den Nachforschungen zu kooperieren.

Das Komitee will herausfinden, ob Israel während des dreiwöchigen Einsatzes im vergangenen Dezember und Januar Kriegsverbrechen begangen hat, wie es von der palästinensischen Seite und verschiedenen internationalen Organisationen behauptet wird. Geleitet wird die Kommission von dem südafrikanischen Juristen Richard Goldstone.

Noam Schalit: „Hamas lenkt von Zerstörung ab, die sie angerichtet hat“

Unter den israelischen Zeugen war auch Noam Schalit, der Vater des vor drei Jahren von Palästinensern entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit. Dieser bezeichnete die Entführung Gilads als „Verletzung des internationalen Rechts“. Sein Sohn sei kein Kriegsgefangener, wie von der Hamas behauptet. Er sei vielmehr eine Geisel, da ihm die Rechte verweigert werden, welche Kriegsgefangenen zustehen. Die Freilassung seines Sohnes sei der Schlüssel, um den Frieden voranzutreiben und die israelische Blockade des Gazastreifens aufzuheben, so Schalit. Er forderte die Palästinenser im Gazastreifen auf, Druck auf die Hamas-Führung auszuüben, damit diese Gilad freilasse. „Seit drei Jahren seid auch Ihr Geiseln, aufgrund der unflexiblen Forderungen Eurer Führer und deren Weigerung, Kompromisse einzugehen. Sie stellen Forderungen, auf welche die israelische Regierung niemals eingehen wird – wie ich fürchte“. Die Hamas missbrauche das Schicksal seines Sohnes, um von der Zerstörung abzulenken, welche sie selbst über die Bevölkerung gebracht hat, so der Israeli.

Schalit forderte die Hamas auf, seinen Sohn zum Wohle des palästinensischen Volkes freizulassen. Er wies darauf hin, dass sich Gilad bei seiner Entführung weder auf palästinensischem Land befunden noch den Gazastreifen attackiert habe. „Er befand sich auf israelischem Hoheitsgebiet und verteidigte das, was eine friedliche Grenze sein sollte.“

Hina Dschilani, ein pakistanisches Mitglied der UN-Kommission, dankte Noam Schalit für seine Ausführungen. Sein Zeugnis habe sie sehr beeindruckt.

Bei der Anhörung sprach auch die israelische Ärztin Mirella Sidrer aus Aschkelon. Sie war schwer verletzt worden, als eine palästinensische Rakete in einem Krankenhaus in ihrer Stadt einschlug. „Was war mein Verbrechen? Dass ich eine Jüdin bin, die in Aschkelon lebt? Ich habe Medizin studiert, um anderen Menschen aus der ganzen Welt zu helfen, ich habe auch Frauen aus Gaza geholfen“, sagte Sidrer vor dem Ausschuss und brach in Tränen aus. Der Angriff habe ihr Leben in einer Sekunde verändert. Noch heute habe sie einen vier Zentimeter langen Schrapnellsplitter in ihrer linken Rückenhälfte, welcher nicht entfernt werden könne.

Zu den Zeugen gehörten außerdem der Bürgermeister von Aschkelon, Eli Vaknin, sowie Alan Marcus und Noam Bedein vom Medienzentrum der Stadt Sderot.

Bürgermeister von Aschkelon lobt Zusammenarbeit mit Kollegen aus Gaza

Vaknin wies in seinen Ausführungen unter anderem auf die zahlreichen Projekte hin, die er mit dem Bürgermeister von Gaza vor Jahren begonnen hatte. Unter anderem hatten beide ein Projekt zur Abwasseraufbereitung gestartet. Die Unternehmungen kamen jedoch zum Erliegen, nachdem die Hamas die Macht im Gazastreifen übernommen hatte. Vaknin veranschaulichte die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen unter anderem durch Fotomaterial. Er sprach auch über die Tausenden Israelis, die sich aufgrund des jahrelangen palästinensischen Beschusses Traumabhandlungen unterziehen müssen und über die Investoren, welche die Gegend in Südisrael aufgrund der Angriffe meiden.

Die fünf israelischen Zeugen handelten eigenständig und nicht im Auftrag der Regierung. Israel hat die Zusammenarbeit mit dem UN-Komitee verweigert, da es dieses für voreingenommen und einseitig hält. Israel hatte bei der Gründung des Komitees im Januar unter anderem kritisiert, dass im Gründungsbeschluss der jüdische Staat als alleiniger Aggressor genannt wird.

Im Zuge der Untersuchungen zum israelischen Militäreinsatz hatte das Komitee den Gazastreifen besucht und dort palästinensische Zeugen verhört. Ein Abschlussbericht soll voraussichtlich im kommenden Monat erscheinen.

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