„Dass jüdisches Leben nach den Schrecken der Schoah in Deutschland so aufblühen konnte, ist ein einzigartiger Vertrauensbeweis“, sagte die Kanzlerin laut der Nachrichtenagentur dpa. Die Mitgliederzahl der Gemeinden habe sich vervierfacht. Heute zählen die 108 jüdischen Gemeinden in Deutschland rund 105.000 Mitglieder. Vor 1933 lebten im deutschen Reichsgebiet rund eine halbe Million Juden.
Merkel fügte hinzu, die jüdischen Gemeinden spiegelten auch die europäische Dimension der Wiedervereinigung wider. „Jüdisches Leben in Deutschland ist wieder vielfältig und damit auch viel-stimmig.“ Sie lobte den Einsatz des Zentralrates der Juden und der Zentralwohlfahrtsstelle: „Wenn heute in Deutschland das Thema Integration auf der Tagesordnung steht, dann denkt kaum mehr jemand an jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Denn sie sind in der Regel gut integriert.“
„DDR hatte israelfeindliche Haltung“
Die Bundeskanzlerin wies darauf hin, dass die DDR nicht frei von Antisemitismus gewesen sei. Auch die feindliche Haltung gegen Israel habe das wahre Gesicht der Partei- und Staatsführung offenbart. Der jüdische Staat sei dabei stets als „zionistisches Gebilde“ bezeichnet worden.
Der Staatsvertrag zwischen Zentralrat und Bundesregierung habe dem „sensiblen Miteinander“ ein festes Fundament gegeben, sagte Merkel weiter. „Jüdisches Leben in Deutschland soll gestärkt werden, es ist erwünscht und willkommen.“ Das Zusammenwachsen des geeinten Deutschlands und das Erstarken der jüdischen Gemeinden gehörten zusammen.