Merkel: Türkisch-israelische Krise besorgniserregend

BERLIN (inn) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich gegenüber dem türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül alarmiert über die Krise zwischen Ankara und Jerusalem gezeigt. Am Dienstag kamen die beiden Politiker in Berlin zusammen.

Einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes zufolge ging es in dem Gespräch zwischen Merkel und Gül unter anderem um die Integration türkischstämmiger Migranten. Weitere Themen waren der politische Wandel in Nordafrika und der arabischen Welt sowie das Beitrittsverfahren zur Europäischen Union. Doch die Kanzlerin habe gegenüber dem türkischen Staatsoberhaupt auch ihre Sorge über die jüngsten Spannungen zwischen Israel und der Türkei zum Ausdruck gebracht, berichtet das "Hamburger Abendblatt".

"Welt"-Kommentar: "Kein EU-Beitritt mit israelfeindlichem Kurs"

Autor Torsten Krauel stellt in der Tageszeitung "Die Welt" fest, dass Merkel die türkischen EU-Beitrittsgespräche bis zum Frühjahr ergebnisoffen habe führen wollen. "Dann aber schwenkte Ankara gegenüber Israel auf einen feindlichen Kurs um und drohte dem EU-Mitglied Zypern sogar mit dem Marineeinsatz", schreibt er in seinem Kommentar "Güls Augenwischerei". "Muskelspiele solcher Art sind in der EU passé. Merkel hat klargestellt, dass Ankara sich entscheiden muss – entweder will die Türkei in die EU, oder sie will alten Großmachtträumen nachjagen. Letzteres schließt eine EU-Vollmitgliedschaft definitiv aus."

Die Gegenwart sei "geprägt von einer Türkei, die gegenüber Israel mit dem Säbel rasselt", fährt Krauel fort. "Solange das so ist, sind Behauptungen, die deutsch-türkischen Beziehungen seien glänzend, reine Augenwischerei."

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