Mehrere Tote bei innerpalästinensischen Auseinandersetzungen

GAZA / RAMALLAH (inn) – Mitglieder der Hamas und der rivalisierenden Fatah-Partei von Palästinenserchef Mahmud Abbas haben sich am Sonntag stundenlange Straßenschlachten in Gaza geliefert. Mindestens neun Menschen wurden getötet und Dutzende verletzt.

Wie die Tageszeitung „Jediot Aharonot“ berichtet, brachen die Kämpfe am Sonntagmorgen in der Autonomiestadt Chan Junis im Süden aus. Palästinensische Sicherheitskräfte demonstrierten dort, um monatelang unbezahlte Gehälter von der Hamas-Regierung einzufordern. Zwischen Fatah- und Hamas-Anhängern kam es zu einem Feuergefecht. Innerhalb von wenigen Stunden breiteten sich die Straßenkämpfe bis nach Gaza-Stadt aus.

Ein Palästinenser wurde nahe dem Parlamentsgebäude in Gaza getötet. Weiterhin wurden zwei Jugendliche bei den Kämpfen verwundet, die daraufhin starben. Zudem wurde ein Mitglied der palästinensischen Präsidialgarde bei dem Feuergefecht getötet. Weitere fünf Menschen kamen bei anderen Vorfällen ums Leben, darunter drei palästinensische Sicherheitsbeamte. Mindestens 75 Palästinenser wurden verletzt, darunter Sicherheitsbeamte, Passanten und Mitglieder der Spezialsicherheitstruppe der Hamas.

Laut palästinensischen Angaben entführten Hamas-Anhänger in den Nachmittagsstunden ein Fatah-Mitglied in Gaza-Stadt und setzten dessen Haus in Brand.

Unruhen auch im Westjordanland

In der Autonomiestadt Ramallah setzten Hunderte Hamas-Gegner das palästinensische Parlamentsgebäude und benachbarte Regierungsgebäude in Flammen. Zudem gab es Berichte über die Entführung des palästinensischen Ministers für Flüchtlingsangelegenheiten, Wasfi Kabha, und des Unterstaatssekretärs des Finanzministeriums, Tamir Birawi, durch Mitglieder der Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden. Wie sich später herausstellte, wurde Kabha nicht entführt, aber sein Wagen wurde zerstört.

Der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Abbas, rief die Palästinenser dazu auf, die Gewalt zu beenden. Er kündigte an, jene zu bestrafen, die für die Straßenschlachten verantwortlich sind sowie diejenigen, die an den Kämpfen teilnahmen. Auch der palästinensische Premierminister Ismail Hanije mahnte die Palästinenser zur Zurückhaltung und forderte sie auf, die interne Gewalt zu beenden. Hanije führte zudem mit Abbas ein Telefongespräch, in dem er von einem gemeinsamen Handeln von Fatah und Hamas sprach, um die Auseinandersetzungen beizulegen.

Allerdings verteidigte Hanije in einer Fernsehansprache wiederum das Vorgehen der Hamas-Mitglieder. Er sagte, sie hätten rechtmäßig gehandelt, heißt es in „Jediot Aharonot“ weiter.

Hamas und Fatah beschuldigen sich gegenseitig, einen Bürgerkrieg in den Autonomiegebieten anzuzetteln. Während Fatah-Beamte sagen, die Hamas beginne einen „Krieg unter Brüdern“, beschuldigen Hamas-Vertreter die Fatah, mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um die Hamas Regierung zu stürzen.

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