Libanon will Soldaten im Süden aufstellen

BEIRUT (inn) – Der Libanon will eigene Truppen im Süden des Landes stationieren. Das entschied das libanesische Kabinett am Montagabend einstimmig – auch die Hisbollah-Minister nahmen den Vorschlag an.

Die Truppen sollen aus 15.000 Mann bestehen. Dafür will die libanesische Armee alle Reservisten einziehen, die mindestens fünf Jahre lang nicht gedient haben. Die Soldaten sollen zwischen dem 10. und dem 16. August mobilisiert werden. Es ist das erste Mal seit 1982, dass die libanesische Regierung ihre Souveränität im Süden ausüben will, berichtet die Tageszeitung „Ha´aretz“.

Der libanesische Informationsminister Ghasi al-Aridi teilte mit, weitere politische Entwicklungen würden von der Reaktion der internationalen Gemeinschaft abhängen. „Unser Ziel ist es, eine Feuerpause herbeizuführen und das Recht des Libanon auf sein Land und seine Souveränität zu betonen.“ Die Regierung zeige mit der Entscheidung ihren Willen, zu einer Lösung der Krise zu gelangen.

Außerdem wolle die libanesische Führung damit einen Schritt zur Umsetzung ihres Sieben-Punkte-Planes tun. Dieser fordert unter anderem einen israelischen Abzug aus dem Südlibanon und den Scheba-Farmen, einen Gefangenenaustausch und ein staatliches Monopol über den Gebrauch von Waffen.

Hisbollah als gleichwertiger Partner

Wenn die Armee im Süden stationiert werde, solle die Hisbollah dennoch dort bleiben, fügte der Minister hinzu. Sie sei eine Partei, die „einen ganzen Ausschnitt der Bevölkerung repräsentiert“. Die Organisation werde im Land ein Partner für die Entscheidungsfindung bleiben. Der Einsatz der Armee solle „die Früchte der militärischen Errungenschaften des Libanon ernten“.

Ein früherer libanesischer Entwurf hatte vorgesehen, dass die Soldaten erst im Süden stationiert werden, wenn die israelischen Truppen die Region verlassen haben.

Olmert: interessante Entscheidung

Israels Premier Ehud Olmert bezeichnete die Entscheidung am Dienstag vor Journalisten als „interessanten Schritt, den wir untersuchen müssen. Außerdem müssen wir alle Auswirkungen betrachten – um zu sehen, in welchem Maße sie praktisch ist und in welchem Zeitrahmen“. Er fügte hinzu: „Je schneller wir den Südlibanon verlassen, desto glücklicher werden wir sein, vor allem, wenn wir unsere Ziele erreicht haben.“ Gleichzeitig mit den libanesischen Soldaten solle dort eine internationale Truppe aufgestellt werden. Die Hisbollah müsse entwaffnet werden.

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