„Land für leiseren Muezzin“

HADERA (inn) - Seit Jahren leidet eine israelische Ortschaft am Mittelmeer unter dem lauten islamischen Gebetsruf aus dem arabischen Nachbardorf. Nun haben die Juden versucht, die Araber mit einem ungewöhnlichen Handel dazu zu bewegen, die Lautsprecher auf dem Minarett leiser zu stellen.

Die Orte Beit Hananija und Dschissar a-Sarka nördlich von Hadera sind nur einen Kilometer voneinander entfernt. Deshalb wachen viele Juden in Beit Hananija am frühen Morgen vom Muezzin auf, der die Muslime zum Gebet ruft. Dschissar a-Sarka hingegen hat mit dem Abfall zu kämpfen, der sich in Höfen und auf der Straße ansammelt. Deshalb wandte sich der Ortsvorsteher, Scheich Murad Amasch, vor einigen Monaten an die jüdischen Nachbarn und den Regionalrat. Er wollte von Beit Hananija ein Stück Land pachten, um den Müll dort zu lagern.

Die jüdischen Israelis erklärten sich bereit, den Arabern das Grundstück ohne Bezahlung zu überlassen – wenn sie dafür den Lautsprecher des Muezzins leiser stellen. Dies lehnte Scheich Amasch jedoch ab: „Warum sollte man das miteinander verbinden? Wir werden nicht über die Stimme des Muezzins verhandeln. Das ist ein Kult im islamischen Glauben, und wir sind nicht bereit, darüber zu verhandeln.“

Bereits früher hatten Bewohner von Cäsaräa, das sich ebenfalls in der Nähe befindet, einen Erdwall zwischen ihrem Ort und Dschissar a-Sarka errichtet. Er soll als Lärmschutz dienen – nicht nur gegen den Gebetsruf, sondern auch gegen Freudenschüsse und Feuerwerk bei Hochzeiten in der arabisch-israelischen Ortschaft.

Scheich Amasch betonte: „Es ist die Aufgabe des Muezzins, die Beter zur Stunde des Gebets in die Moschee zu rufen. Wenn wir die Stimme des Muezzins leiser machen, werden die Beter im Dorf den Ruf zum Gebet nicht hören. Selbst der akustische Wall, den man zwischen uns und Cäsaräa gebaut hat, hilft nicht. Er ist sieben Meter hoch, während das Minarett der Moschee 30 Meter erreicht.“ Er sei sich der Beschwerden bewusst, die auch aus Cäsaräa oder Or Akiva kämen. Diese bezögen sich nicht nur auf die Stunden der Nacht, sondern auch tagsüber fühlten sich Leute gestört durch den Gebetsruf.

Indes ärgern sich nicht alle Bewohner von Beit Hananija über den lauten Muezzin. Ajelet Stern-Dahari, die seit 40 Jahren in dem Dorf lebt, sagte: „Noch nie hat mich die Stimme des Muezzins gestört. Ich denke, dass der Ruf ein netter Teil unseres Lebens ist, und es ist angenehm, das im Hintergrund zu hören. Aber es hat in letzter Zeit einen ungewöhnlichen Anstieg gegeben, und das weckt dich aus dem Schlaf.“ Eine Bewohnerin von Cäsaräa meinte: „Wer in diese Gegend zieht, wird wissen, dass es hier eine Moschee und fünfmal am Tag den Muezzin gibt.“

Obwohl die Muslime das jüdische Angebot abgelehnt haben, bleiben die Beziehungen zwischen den beiden Dörfern gut. Dies berichtet das Internetportal „Walla“.

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