Kritik nach Festnahme eines fünfjährigen Palästinensers

HEBRON (inn) – Soldaten haben in Hebron einen fünfjährigen Palästinenser vorübergehend festgenommen, der Steine auf ein israelisches Fahrzeug geworfen hatte. Anschließend wurde der Junge an die palästinensische Polizei übergeben. Die israelische Organisation „B‘Tselem“ veröffentlichte ein Video von dem Vorfall.
Die umstrittene Festnahme eines Fünfjährigen ereignete sich in Hebron.

Foto: eman / Wikipedia

Die umstrittene Festnahme eines Fünfjährigen ereignete sich in Hebron.

An einem Checkpoint in der Nähe des Patriarchengrabs steckten die Soldaten den Fünfjährigen am Dienstag in einen Militärjeep und brachten ihn zu seinem Elternhaus. Dabei wurde er von einem palästinensischen Beobachter begleitet. Der Vater des Steinewerfers erzählte der Tageszeitung „Yediot Aharonot“: „Ich erhielt einen Anruf bei der Arbeit. Da wurde mir mitgeteilt, dass der Junge zu Hause unter Arrest sei. Ich kam nach Hause und fand ihn, wie er sich in einem Schrank versteckte und vor Angst zitterte.“
Nach eigenen Angaben sagte der Vater zu den Soldaten: „Selbst wenn der Junge einen Stein geworfen hat, ist er nur ein Kind, und ich werde mich selbst um ihn kümmern.“ Die Armeeangehörigen brachten ihn und seinen Sohn zu einem Militärstützpunkt. Dort wurde der Mann für kurze Zeit gefesselt und ihm wurden die Augen verbunden. Er sei auch geschlagen worden.
Die beiden Palästinenser wurden dann an die palästinensische Polizei übergeben. „Sie stellten uns nur Fragen und belegten uns schließlich mit einer Geldstrafe von 5.000 Dinar (5.300 Euro), weil das Kind Steine geworfen hatte“, sagte der Vater.
B‘Tselem-Direktorin Jessica Montell beschwerte sich in einem Brief an den Rechtsberater des Militärs für Judäa und Samaria über den Zwischenfall: „Das Bildmaterial zeigt, dass dies kein Fehler war, der durch einen einzelnen Soldaten begangen wurde. Es war vielmehr ein Verhalten, das vom gesamten beteiligten militärischen Personal als vernünftig angesehen wurde. Es ist besonders beunruhigend, dass offenbar keiner von ihnen dachte, dass irgendein Teil des Vorfalls problematisch sei: Weder, dass sie einen fünfjährigen Jungen zu Tode erschreckten, noch, dass sie ihm und seinen Eltern drohten, ihn ‚auszuliefern‘, noch dass sie drohten, den Vater ohne rechtliche Grundlagen festzunehmen, noch, dass sie den Vater vor seinem Sohn fesselten und ihm die Augen verbanden.“
Aus dem Militär hieß es als Reaktion: „Wir sind betrübt darüber, dass die Organisation B‘Tselem sich entscheidet, nur Videos dieser Art zu filmen und sie im Internet hochzuladen, bevor sie die Einzelheiten des Vorfalls mit den Israelischen Verteidigungsstreitkräften geklärt hat. Dies war ein Kind, das an einer Straße in Hebron Steine warf. Eine Truppe der israelischen Armee nahm ihn fest, übergab ihn an seine Eltern und brachte ihn dann in organisierter Weise zur palästinensischen Polizei.“ Die werde den Vorfall untersuchen. B‘Tselem entgegnete laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“, man habe einen Tag früher an das Militär geschrieben und keine Antwort erhalten.
Das Video von B‘Tselem ist hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=dl6YGt7O9eM

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