Kriegswolken in Nahost

JERUSALEM / TEHERAN (inn) - Als "unerträgliche Provokation" bezeichnete Israels Außenminister Avigdor Lieberman die Passage von zwei iranischen Kriegsschiffen ins Mittelmeer. Sie sollten in der Nacht zum Donnerstag durch den Suezkanal fahren. Mittlerweile meldete der Sender "Al-Arabija", Ägypten verweigere den Schiffen die Durchreise.

Die Fregatten sind eingeladen, ein Jahr lang in syrischen Häfen anzulegen. Ohne Einzelheiten preiszugeben, erklärten namenlose israelische Sicherheitskreise: "Israel wird wissen, damit umzugehen…", während Lieberman hinzufügte: "Der Iran hat Nerven. Seine Selbstherrlichkeit wächst von Tag zu Tag." Ohne auf diese neue militärische Bedrohung einzugehen, erklärte der frisch gekürte Generalstabschef Benny Gantz, dass Israel vor "neuen Herausforderungen" stehe. Premierminister Benjamin Netanjahu warnte am Mittwochabend, dass "niemand an Israels Stärke und seiner Bereitschaft zweifeln sollte, sich zu verteidigen".

Das "Wall Street Journal" berichtet schon von fallenden Kursen an der New Yorker Börse wegen der Passage der iranischen Kriegsschiffe ins Mittelmeer und wegen der scharfen israelischen Reaktionen.

Unverhohlene Kriegsdrohungen äußerte im Libanon der Chef der schiitischen und dem Iran nahestehenden Hisbollah-Miliz, Scheich Hassan Nasrallah. Von seinem geheimen Bunker aus, wo er sich seit dem Libanonkrieg 2006 aus Furcht vor einem israelischen Anschlag versteckt hält, hielt er per Videokonferenz ein Rede an Gefolgsleute in Beirut. Das Blut von Imad Mughnijeh sei nicht umsonst geflossen, warnte Nasrallah und drohte Israel mit gebührender Rache.

Mughnijeh war jahrelang der mysteriöse Militärchef der Hisbollah. Ihm wird angelastet, die tödlichen Anschläge auf jüdische Einrichtungen und die israelische Botschaft in Argentinien geplant zu haben. 1994 sind bei dem Anschlag auf das Amia-Gebäude allein 85 Menschen getötet und 151 verletzt worden. Ende der achtziger Jahre soll er ein amerikanisches TWA-Flugzeug entführt und 1996 die Sprengung der Khobar-Türme in Saudi-Arabien veranlasst haben. Mughnijeh ist am 12. Februar 2008 in Damaskus bei einem bis heute nicht aufgeklärten Attentat getötet worden, das wegen der sehr exakten Planung und Ausführung dem Mossad zur Last gelegt wird.

Mehrere Botschaften geschlossen

Wegen "akuter Drohungen", angeblich aus Anlass dieses Jahrestags hat Israel die Botschaften in Mauretanien, in der Elfenbeinküste und anderen Ländern geschlossen. Auch in Kairo bleibt die Botschaft vorläufig geschlossen, während die Botschaftsangehörigen schon zu Beginn der Unruhen nach Israel evakuiert worden waren. Israelische Diplomaten in aller Welt wurden zu "erhöhter Aufmerksamkeit" aufgerufen. Die Antiterror-Abteilung des israelischen Außenamtes hat zudem dringende Reisewarnungen an Juden und Israelis ausgesprochen, tunlichst folgende Länder zu meiden: Ägypten, Türkei, Georgien, Armenien, die Elfenbeinküste, Mali, Mauretanien und Venezuela.

"Ich sage zu den zionistischen Offizieren und Generalen, passt auf eure Köpfe auf, wenn ihr ins Ausland reist", sagte Nasrallah weiter. Falls dem Libanon erneut (von Israel) ein Krieg aufgezwungen werden sollte, werde die Hisbollah Galiläa erobern, den Norden Israels.

Der Auftritt Nasrallahs galt auch der Ehrung von Mohammed Jussef Mansur, eher bekannt als Sami Chehab. Dieser saß in der ersten Reihe, hielt eine Hisbollah-Fahne hoch und machte mit den Fingern das Siegeszeichen. Mansur wurde 2010 in Ägypten zusammen mit 25 anderen Hamas- und Hisbollah-Kämpfern zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wegen der Planung von Anschlägen in Ägypten. Mansur war der prominenteste Häftling, der während der Unruhen in Kairo aus dem Gefängnis entkommen konnte. Durch seinen öffentlichen Auftritt in Beirut wurde bestätigt, dass ihm die Flucht in den Libanon gelungen ist.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak reagierte auf diese Entwicklungen mit der Drohung, dass Israel erneut in den Libanon einmarschieren könnte, "um die Hisbollah daran zu erinnern, was ihr 2006 widerfahren ist".

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