„Korruption ist im Nahen Osten systemisch“

Im alljährlichen Korruptionswahrnehmungsindex von „Transparency International“ schneidet Israel zwar besser ab als viele andere Länder, aber schlechter als die Emirate oder Katar. Doch der Index ist mit Vorsicht zu genießen.
Von Israelnetz
Im Nahen Osten ist Korruption weit verbreitet (Archivbild)

BERLIN (inn) – Die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar erreichen im Korruptionswahrnehmungsindex 2021 von „Transparency International“ die besten Werte aller Länder im Nahen Osten. Die Emirate kommen auf 69, Katar auf 63 von 100 Punkten, wobei 100 Punkte der beste Wert (am wenigsten korrupt) wäre. Damit liegen die Staaten auf den Rängen 24 und 31 von insgesamt 180.

Israel findet sich auf Platz 36 und erreicht einen Wert von 59, ähnlich wie im Vorjahr. Seit 2016 befindet sich der jüdische Staat in dem Index tendenziell auf absteigendem Ast. Er steht jedoch immer noch besser da als mehr als zwei Drittel aller untersuchten Länder, die nicht über den Schwellenwert von 50 kommen. Zum Vergleich: Deutschland findet sich auf Platz 10 mit 80 Punkten.

Keine Daten zu Palästinensergebieten

Die schlechtesten Werte im Nahen Osten erreichen Libyen (17 Punkte), der Jemen (16) und Syrien (13) auf den Plätzen 172, 174 und 178. Neben Syrien befindet sich auch der Libanon (24) in einem rapiden Abstieg im Korruptionswahrnehmungsindex seit 2012.

Keine Daten liefert „Transparency“ zu den Palästinensergebieten. Dies dürfte an fehlenden Daten liegen: „Transparency“ bezieht seine Zahlen aus insgesamt 13 Datenquellen von 12 Institutionen, wobei nur solche Länder in den Index aufgenommen werden, für die mindestens drei Quellen vorliegen.

Keine objektive Messung

„Korruption ist im Nahen Osten und Nordafrika systemisch, tief verwurzelt in Institutionen und dem Alltagsleben.“ Korruption unter politischen Eliten müsse ebenso adressiert werden wie Vetternwirtschaft. Die Vertreterin von „Transparency“ in Israel sprach laut der Zeitung „Yediot Aharonot“ mit Blick auf ihr Land von einem „schlechten Abschneiden“ und einem „Warnsignal“.

Allerdings gibt der Korruptionswahrnehmungsindex von „Transparency“ nach eigenen Angaben nur „die Wahrnehmung des Ausmaßes von Korruption im öffentlichen Sektor aus der Perspektive von Wirtschaftsvertreterinnen und -vertretern sowie Länderexpertinnen und -experten“ wieder. Er misst das Korruptionsniveau damit nicht objektiv, sondern subjektiv, und auch nur im öffentlichen, nicht im privaten Sektor, und wird deswegen von einigen Beobachtern kritisch gesehen. (ser)

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