Kopfschuss auf Palästinenser: Ein Prozess zerreißt Israel

Der Soldat Elor Asaria ist des Totschlags schuldig. Das hat ein israelisches Militärgericht verfügt. Der Israeli hatte in Hebron auf einen schwerverletzten palästinensischen Terroristen geschossen.
Kurz vor dem Kopfschuss: Hier liegt der Palästinenser auf dem Boden

Foto: B'Tselem, YouTube

Kurz vor dem Kopfschuss: Hier liegt der Palästinenser auf dem Boden

TEL AVIV (inn) – Ein israelisches Militärgericht hat am Mittwoch den Soldaten Elor Asaria für schuldig gesprochen, einen am Boden liegenden schwerverletzten palästinensischen Terroristen mit krimineller Absicht durch einen Kopfschuss getötet zu haben. Das Strafmaß wurde noch nicht festgelegt.

Am 24. März 2016 hatten zwei Palästinenser mit Messern eine Attacke auf israelische Soldaten in Hebron verübt. Mehrere Soldaten wurden verletzt. Die Angreifer wurden angeschossen. Einer lag schwer verletzt oder tot auf der Straße. Umstehende riefen aufgeregt, dass jener Palästinenser sich noch bewege und unter seinem dicken Pullover (trotz heißen Wetters) möglicherweise eine Sprengjacke trage. Vor laufender Kamera eines Aktivisten der israelischen Menschenrechtsorganisation „B’Tselem“ schoss der 18 Jahre alte Soldat Asaria eine Kugel in den Kopf des Terroristen, um ihn zu töten.

Seitdem steht der Soldat vor einem Militärgericht, während Politiker und die Medien unterschiedliche „Vorverurteilungen“ veröffentlichten. Kaum jemals zuvor hat ein Militärprozess so viel Aufmerksamkeit erhalten. Im Rampenlicht stand die Frage, ob der Terrorist schon tot war, oder noch eine Gefahr für die Umstehenden bedeutete. Zur nationalen Debatte stand die Frage, ob der junge Soldat aus berechtigter Notwehr handelte, um das Leben anderer Soldaten und der Rettungsdienste zu schützen oder ob er ein Mörder war, der glaubte, dass ein Terrorist „dem Tode geweiht“ sei. So stand auch die Moral der Armee auf dem Prüfstand. Die Anklage gegen Asaria lautete auf Totschlag.

Die Obduktion des getöteten Terroristen ergab keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob der Kopfschuss oder andere Schussverletzungen während seines Amoklaufes die Todesursache waren. Die Zeugenaussagen von Soldaten und anderen Anwesenden widersprachen einander. Der Film des „B’Tselem“-Aktivisten war zusammengeschnitten, um den Soldaten als Mörder darzustellen.

Schwierige Abwägung

Zur Debatte standen schwierige moralische Fragen. Grundsätzlich darf ein am Boden liegender Schwerverletzter nicht mehr beschossen werden, auch wenn er sich zuvor offenbar als Terrorist mit Mordabsichten betätigt hat. In der Vergangenheit hat es jedoch Fälle gegeben, bei denen derart „neutralisierte“ Terroristen per Knopfdruck einen umgeschnallten Sprengsatz zur Explosion brachten und so Sanitäter und herumstehende Soldaten mit sich in den Tod rissen.

Als ungeheuerliche Einmischung in einen laufenden Prozess wurde ein Anruf von Premierminister Benjamin Netanjahu gewertet, der den Vater des Soldaten angerufen hatte, „um ihn zu stärken“. Umstritten war auch eine Äußerung des ehemaligen Verteidigungsministers Mosche Ja’alon, der behauptet hatte, dass ein Soldat der militärischen Disziplin und Regeln unterliege. Asaria dürfe nicht freigesprochen werden, nur weil er „unser aller Kind“ sei. Andere mischten sich ein, indem sie den Soldaten als „Helden“ bezeichneten, oder indem sie davor warnten, dass die Armee sich wie eine Mördergesellschaft benehme.

Letztlich musste das Gericht angesichts der widersprüchlichen Aussagen von Zeugen und des Angeklagten entscheiden, ob der Soldat „kriminelle Absichten“ verfolgte oder aber, ob seine Behauptungen zur „Selbstverteidigung“ glaubwürdig seien. Am Mittwochmorgen haben die Richter in Tel Aviv geurteilt, dass der Palästinenser an dem Kopfschuss gestorben sei und dass die Darstellung des Angeklagten nicht glaubwürdig sei. Vor dem Gebäude demonstrierten während der Verhandlung erneut zahlreiche Israelis, die sich solidarisch mit dem Soldaten erklärten.

Von: Ulrich W. Sahm

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Eine Antwort

  1. Kann es sein, dass der Soldat durch die Terroranschläge traumatisiert war ? Somit psychisch krank. Er kann und darf somit nicht verurteilt werden, sondern einer psychischen Behandlung unterzogen werden.

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